Frauvorragendes Format!
Die Geschichte vom Scheitern der Frau Vorragend.

Auch ich besitze nun auf dem Blog meine eigene Kolumne. Es klingt gleich so wahnsinnig professionell, wenn man von seinem eigenen Format spricht. 

Deswegen darf ich nun voller Stolz meine kleine Sparte hier präsentieren:

Das Frauvorragende Format!

Heute geht es bei mir um das Scheitern. Ein Gefühl, welches wir alle vermutlich gut kennen. Deswegen gibt es von mir ein paar Gedanken dazu. Und warum das Scheitern und ich uns mittlerweile ganz gut verstehen. 


Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt. 

Seneca

Bald geht es auf das Jahresende zu. Bereits jetzt kommen die ersten Fragen auf. „Hast du dir schon Vorsätze für das neue Jahr gemacht?“ Und wie beinahe jedes Jahr, habe ich diese noch nicht. 

Andere haben wiederum einen kompletten Jahresplan dafür, wann sie welchen Vorsatz erfüllt haben werden und was in welchem Monat stattfinden wird, das sie geschafft und erledigt haben. 

Ich scheitere jedes Jahr an meinen Vorsätzen, sodass ich mich gar nicht mehr traue, diese überhaupt zu formulieren. 

Meine Vorsätze werden außerdem auch immer „einfacher“. Ich greife nicht mehr nach den Sternen und sage selbstbewusst: „Meine Vorsätze? Mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben, weniger Alkohol und drei Romane fertigstellen.“ 
Stattdessen bin ich mittlerweile bei „Wäre schön, wenn ich so einmal im Monat einen Schreibtag habe“ angekommen. 

Ich scheitere an meinen hohen Ansprüchen an mich selbst. 

Ohne Misserfolge zu leben ist unmöglich. Es sei denn, Du lebst so vorsichtig, dass Du genauso gut gar nicht gelebt haben könntest – was einem totalen Scheitern gleichkommt.

J. K. Rowling

Und so verhält es sich nicht nur bei den ungeliebten Neujahrsvorsätzen.

Rückblickend auf das Jahr habe ich, wenn ich mein eigenes Scheitern festhalten will, kaum etwas umgesetzt. Ich habe weder den NaNoWriMo durchgezogen, noch einen Roman fertig geschrieben. Ich habe zwei Umzüge hinter mir und die aktuelle Wohnung ist immer noch nicht fertig eingerichtet. Ich könnte die Liste weiter fortführen, würde mich dann aber gleich in eine Lethargie schreiben. 

Stattdessen versuche ich, in der stressigsten Phase des Jahres, meinem Scheitern etwas Positives abzugewinnen. Und ich bemerke, dass ich viel mehr daraus ziehen kann, als ich dachte. 

Scheitern ist völlig okay – Wer aber nach dem Fall liegen bleibt, der hat verloren

Ich setze mich jetzt also auf. Schlage den Staub von meiner Kleidung und hieve mich auf die Beine. Wenn ich erstmal stehe und die zittrigen Knie sich beruhigt haben, ist der Sturz gar nicht mehr so schlimm. Und nun kann ich schauen: was hat mich denn zu Fall gebracht? Was hat das Scheitern verursacht?

Waren die Hürden vielleicht doch zu hoch? Oder hat man das Ziel aus den Augen verloren? Was war überhaupt das Ziel und warum bin ich überhaupt losgelaufen?

Wenn das Adrenalin meinen Körper verlässt, kann mein Gehirn rational denken. Es geht nicht darum, sein eigenes Scheitern groß zu reden oder es zu verleugnen. Sondern es geht darum, zu lernen, wie man beim nächsten Versuch nicht wieder hinfällt. 

Warum also habe ich den NaNoWriMo nicht geschafft? Weil ich gemerkt habe, dass ich meinen Roman noch weiter bearbeiten muss. 

Warum hat das konsequente Frühaufstehen nicht geklappt? Weil ich nachts lieber arbeite und produktiver bin. 

Warum habe ich nicht den Plan weiterverfolgt, mich als Autorin zu professionalisieren? Weil ich mir den Druck nicht auflasten möchte, wenn ich mich gerade in einer labilen Phase befinde. 

Warum ist die Wohnung nicht fertig eingerichtet? Weil es nicht nur meine Entscheidung ist und ich unseren Entscheidungen Platz einräumen möchte. 

Und jetzt kehre ich alles ins Positive um!

Ich habe im NaNoWriMo über 10.000 Wörter geschrieben, einen schönen Anfang für den Roman zusammen bekommen und den Grundstein gelegt, weiter daran zu arbeiten. 

Ich habe auf meinen Körper gehört und erlaube mir morgens ein wenig länger liegen zu bleiben, weil ich meine Sachen am Abend produktiver erledigen kann. 

Ich habe mein Ziel, professionelle Autorin zu werden, immer noch vor Augen. Ich werde es umsetzen, wenn ich die Energie dafür habe und sammle solange weiter Eindrücke und Informationen, damit es mir gelingt. 

Ich habe einen Plan, wie die Wohnung aussehen könnte. Und versuche jeden Monat/jede Woche wieder etwas zu verändern. 

Wenn wir uns erlauben zu scheitern, erlauben wir uns gleichzeitig, uns selbst zu übertreffen.

Eloise Ristad

Scheitern zu lernen ist ein schwieriger Prozess. Fehlerkultur ist in unserem Land oftmals mit etwas Toxischem verbunden, weil wir eine Gesellschaft sind, die von Leistungen lebt und die scheinbar nur Erfolge anerkennt. 

Aber ich habe mit meinem Sozialem Umfeld einen Teil der Gesellschaft rausfiltern können, der zwar auch Leistungen anerkennt und lobt, aber auch das Scheitern akzeptiert und mich dann wieder aufbaut. Wie bereits Eve in ihrem Artikel über Samweis Gamdschie beschrieb, sind die Ansprüche unseres Umfelds niemals so hoch, wie unsere eigenen. Wenn wir also lernen, uns selbst mehr mit den Augen der anderen zu sehen, wird unser Sturz, unser Scheitern, nicht mehr so groß sein, nicht mehr so tief sein. 

Ich werde sicherlich auch wieder ein paar Vorsätze haben für das kommende Jahr. Und ich werde sicherlich auch wieder Vorsätze nicht erfüllen können. 

Aber das ist okay. 

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