Das war sie.
Ein frauvorragender Messebericht zur Leipziger Buchmesse 2019

Es ist getan. 

Die Leipziger Buchmesse 2019 hat ihre Pforten geschlossen und mich wieder ins echte Leben ausgespuckt. 
Mit Messeblues und Muskelkater, mit bunten Eindrücken, bunten Haaren und bunten Büchern finde ich mich nun Tee trinkend in meinem Lesesessel wieder und sinniere über die Messe. Über Halle, volle Züge, Cosplayer und viele, viele, viele Bücher. 

Ein Bericht. 

Halle 5 oder: Am Donnerstag habe ich nur diese Halle gesehen

Das meiste Programm hatte ich tatsächlich am ersten Messetag. Aufgrund der noch schön leeren Hallen war es mir möglich, schnell zu den meisten Ständen zu gelangen. 

Nach dem obligatorischen Wake-Up Slam am Arte Stand, ging es dann auch schon los in der Halle 5. Zum ersten Mal habe ich die Bloggerlounge – besser gesagt den Boden dieser – genießen können, während ich auf die erste Veranstaltung gewartet habe. 

Leider kam mit dieser auch die Ernüchterung. Bauchschreiber und Plotter klang als Titel sehr vielversprechend und auch die Moderatorin war stets bemüht, allerdings konnte sie auch nur mit dem arbeiten, was ihr gegeben wurde. Und das waren zwei Autorinnen, die lediglich erzählten, dass sie planen oder drauf los schreiben. Vor- und Nachteile der jeweiligen Art des Schreibens hat man hier vergebens gesucht. Stattdessen kam ich mir vor wie in einer Dauerwerbesendung. Allerdings auch in keiner guten.

Direkt in eigener Sache: falls ihr etwas zu Gärter*innen und Architekt*innen lesen möchtet, dann empfehle ich euch meinen eigenen Artikel. Gerade für Menschen, die noch am Anfang stehen, bietet dieser Beitrag doch einen ganz guten Überblick. Wie ich nach dem Vortrag selbst festgestellt habe. 

Genug der eigenen Werbung. 

Als nächstes hörte ich mir eine Diskussion mit der äußerst kompetenten und sympathischen Zoe Beck an. „Weiblich schreiben“ handelte von Frauen* in der Verlagswelt, welche in sogenannten Männerkompetenzen unterwegs sind. Diese rein weibliche Runde bestand aus einer Thrillerautorin, einer Sachbuchautorin und einer Journalistin und wurde von #VerlagenGegenRechts vorgestellt. 

Info: #VerlageGegenRechts, welche schon im Vorjahr auf der Messe vertreten waren, ist ein Zusammenschluss von 80 Verlagen und 100 Einzelpersonen, die sich für eine bunte Gesellschaft und eine bunte Buchmesse starkmachen.

Die Diskussion selbst war sachlich und aufschlussreich. Vieles des gesagten jedoch überraschte mich nicht. So bekommen Frauen selten in Sachbuchverlagen Plätze außerhalb von Themen die „weiblich“ sind – sprich Kinder, Kochen und ein bisschen Psychologie. Die vorgetragenen Absagen der Verlage an einem konkreten Beispiel einer Autorin, sorgten im Publikum für kollektives Schnauben und Kopfschütteln. Auch die schlechtere Bezahlung der Autorinnen, die wenigen Nominierungen bei wichtigen Buchpreisen und Buchbesprechungen und -rezensionen waren keine Überraschung. Während in dem Vortrag durch die beiden Thrillerautorinnen auch die Veränderungen angesprochen wurden, ließen die Journalistin und die Sachbuchautorin diese leider vermissen. Gerade letztere war wütend und fassungslos – verständlicherweise – jedoch konnte sie deswegen dem Publikum wenig liefern, wie die bekannten Probleme gelöst werden könnten. 

Ein Beispiel jedoch hat sich festgebrannt – gebt den Jungs mehr Frauen zum Lesen. 
Für reine Anfänger*innen bei diesem Thema wäre die Veranstaltung vielleicht besser gewesen, als für jemanden wie mich, da ich bereits ziemliche Kenntnisse darüber habe. 

Weiter hätte es beim tolino-Stand gehen sollen, allerdings war dort die Technik genauso schlecht wie auf der Frankfurter Buchmesse, sodass man kein Wort des Vortrags zu nervigen Romanfiguren verstanden hat. Die nächste Enttäuschung. 

Ich verharrte dann auch mal eine Weile in Halle 2 an der Leseinsel Phantastik – und wurde dort dennoch ständig verpasst – lauschte dort den wunderbaren Nornen des Nornennetzes zum Thema Diversität, welches auch gerade für Leute, die es das erste Mal hörten, sicherlich ein sehr aufschlussreicher Vortrag war. Im Vergleich zu den übrigen Vorträgen waren die Nornen sachlich, professionell und gut vorbereitet. Es wurde also besser. 

Gerettet wurde ich dann von Micha-El Goehre und dazu muss ich eigentlich nichts weiter sagen. Schaut ihn euch einfach an. Ihr findet diverse Slamtexte von ihm auf Youtube. Oder kauft einfach gleich sein Buch. 

Klassenfahrt der Chatadias

Freitag und Samstag waren laut meiner Liste auch sehr voll mit Programm, aber nur zu wenigen Punkten habe ich es dann tatsächlich auch geschafft. 

Der Grund ist relativ simpel: die Chatadias waren da. 

Die Chatadias sind ein kleiner Haufen großartiger Frauen, die sich über den Chat der Schreibnacht kennengelernt haben. Über die Zeit ist daraus ein Freundeskreis geworden, voller Diversität und unterschiedlicher Lebensstile und Meinungen, mit der großen Gemeinsamkeit: dem Schreiben. Da wir alle über ganz Deutschland verstreut sind, bieten die großen Messen uns den Vorteil, dass wir uns auf diesen treffen können. 

So geschehen dieses Jahr. Freitag und Samstag.

Bevor es zum traditionellen Abendprogramm in Noel’s geht, bleiben jedoch kurze Besuch bei Bela B., Jennifer Jäger und den Fantasyverlagen übrig. Mehr Programm haben wir dann aber auch nicht geschafft, immerhin waren wir unser eigenes Programm. 

Blogger:session 2019

Der Vollständigkeit halber, erwähne ich noch kurz den Messesonntag.

Nachdem wir es tatsächlich am letzten Tag der Messe geschafft hatten, unseren Gratiskaffee am Stand der Stadt Halle (Saale) abzuholen, ging es für mich direkt zu der Blogger:session. Aus dem letzten Jahr waren mir volle Vortragssäle bekannt und viel Input zu der Welt der Bloggenden. 

Ich erwischte noch die letzten Minuten eines Vortrags mit der supernetten Stehlblueten, bevor es dann weiterging mit einem Vortrag zum Thema „Blog 4.0“. Viele Anreize, die ich dort mitgenommen habe, werde ich noch mit Karlotta und Eve besprechen, inwiefern wir diese umsetzen können. Gerade der Punkt der regionalen Präsenz reizt mich doch sehr. Vielleicht lest ihr zukünftig etwas bei uns darüber. 

Der wohl wichtigste Vortrag war auch der am besten Besuchteste. „Recht für Blogger“ – mit einem echten Anwalt. 

Ihr wisst nicht wie erleichtert ich nach diesem Vortrag war. Zwar gibt es noch ein paar Sachen, die immer noch unklar sind, aber der Grundstein wurde von mir gelegt und ich bin froh, dass die stundenlange Arbeit sich gelohnt hat. 

Da ich keine Rechtsberatung machen darf, kann ich euch auch leider nichts über den Inhalt dieser Session berichten. Die Buchmesse Leipzig jedoch stellt Zusammenschnitte der Sessions zur Verfügung, bei denen man sich alles nochmal ansehen kann. 

Buchmesse-Blues

Nachdem am Sonntag nachmittag bereits die Luft raus war und ich froh war, im Zug sitzend dem Soundtrack von Doctor Who zu lauschen, war der Montag hart. 

Wer von euch schon mal auf einer Buchmesse war, diese mit jeder Pore aufgesaugt und genossen hat und wer dort einen Haufen lieber Buchmenschen kennengelernt oder getroffen hat, weiß sicherlich: Messeblues is a thing. 

Auch jetzt verspüre ich Wehmut und Freude, bittersüße Erinnerungen und Vorfreude auf das nächste Jahr. Wenn ich wieder, umgeben von Menschenmassen, Cosplayer beobachten kann. Auf dem Boden sitzend den Lesungen von Autor*innen lauschen und mit einer Wagenladung Messegoodies im Zug nach Hause fahren kann. 

Leipzig wird für mich immer die schönere Buchmesse bleiben. Meine Buchmesse, sozusagen. (Wir haben ja schließlich auch alle unseren Doctor, oder?) 

Bis nächstes Jahr, #lbm. 

 

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