Die NaNoWriMo Vorbereitungspanik

Wir merken es draußen: die Bäume verlieren ihre Blätter, alles wird in sanfte Rot- und Orangetöne gehüllt, wir tragen unsere senfgelben Pullis und mümmeln uns mit dem Pumpkin Spice Latte bei Regenwetter auf der Couch ein.

Der Herbst ist da.

Doch nicht nur an dem genannten merkt man, dass die nasse Jahreszeit gekommen ist. Weltweit bereiten sich Nachwuchsautor*innen auf das Highlight des Jahres vor: Den National Novel Writing Month, kurz NaNoWriMo.

Und dieser Monat braucht ungefähr so viel Vorbereitung wie ein zweiwöchiger Wanderurlaub im Himalaya.

Was ist der National Novel Writing Month?

Der National Novel Writing Month, kurz NaNoWriMo, oder noch kürzer NaNo, ist die Gelegenheit, um den eigenen Roman ein großes Stück nach vorne zu bringen. Er findet jedes Jahr im November statt und wird von der Webseite nanowrimo.org begleitet. Diese ist kostenlos und spenden- sowie sponsorenfinanziert. Was genau auf dieser Webseite alles möglich ist, erfahrt ihr an späterer Stelle.

Hier seht ihr die neue Startseite, wo ihr euch direkt und kostenlos anmelden könnt.

Das Ziel ist relativ simpel formuliert, allerdings nicht so leicht zu erreichen. Vom 1.11. bis 30.11. sollen die Autor*innen 50.000 Wörter für das eigene Manuskript schreiben. Sprich jeden Tag 1.667 Wörter. Eine magische Zahl, wenn man bereits einige Male mitgemacht hat, da dies die Anzahl der Wörter ist, die man täglich braucht, um am Ende des Monats 50.000 Wörter zusammenzubekommen.  Durch Selbstkontrolle wird dann überprüft, ob man den NaNo gewonnen hat und erhält über die Webseite einige sehr praktische Rabatte – ich habe zum Beispiel das Schreibprogramm Scrivener als Gewinnerin mit einem Rabatt von 50 % erhalten. Es lohnt sich wirklich!

Die Webseite bietet neben den Statistiken zum eigenen Fortschritt und der Kontrollmöglichkeit eine riesige, internationale Community. Durch das Einstellen der eigenen Heimatregion schreibt man nicht mehr nur für sich, sondern auch für die Region (wer die meisten Wörter erlangt, ist ein Dauerbrenner der Motivation unter den Teilnehmer*innen).

Mithilfe der folgenden Screenshots leite ich euch zu diesem, leider doch recht versteckten, Bereich. Dort könnt ihr euch nach Belieben mit anderen Autor*innen austauschen, euch in Wordwars messen oder euch zu realen Stammtischen verabreden. (Wordwars: Kleine Gefechte, in denen man mit anderen innerhalb einer vorher festgelegten Zeit versucht so viele Wörter wie möglich zu schreiben. Man gewinnt, wenn man die meisten Wörter geschrieben hat.)

Ich selbst war schon bei dem Stammtisch der Thüringer Autor*innen und wie bei fast jedem Treffen mit Gleichgesinnten ist man danach super motiviert. Den NaNo in diesem Jahr gewann ich ebenfalls.

Was bringt mir aber der Oktober, wenn es doch erst im November losgeht?

Der November, so motivierend es auch ist mit der ganzen Welt zu schreiben, kann anstrengend und hart sein. Wenn man gerade gut im Flow ist, dann sind die täglichen Wortziele einfach erfüllt. Oftmals geht durch die anfängliche Euphorie nach dem Kickoff alles super schnell und nach der ersten Woche ist die Luft raus. Das habe ich bereits für euch getestet. Wenn man in der dritten Woche plötzlich feststellt, dass man in ein riesiges Handlungsloch gefallen ist, dann wird es eng mit 50k.

Und auch mit der neuen Webseite und ihren Funktionen sollte man sich vorher vertraut machen, damit ihr nicht anfangt nach Leuten aus eurer Umgebung zu suchen, wenn der NaNo fast vorbei ist.

Ich benutze mal die Begriffe aus dem NaNo: Planner und Pantser.

Gerade als Planner – also jemand der einen genauen Plan für die Geschichte braucht – sollte der Oktober genutzt werden, um die Geschichte vorzubereiten. Man kann den Monat nutzen um Worldbuilding zu betreiben, Charakterbögen zu erstellen und eine Plotstruktur aufzubauen. Wenn man dann weiß, was in welchem Kapitel passiert, kann der November ganz beruhigt kommen. Immerhin hat man dann schon alles fertig um drauf loszuschreiben.

Die Pantser – die Art von Autor*innen, die sich an ein leeres Dokument setzen und einfach drauf losschreiben – können den Oktober auch nutzen, auch wenn sie keinen Plan benötigen, indem sie sich mit Leute treffen, die sie nachher motivieren, wenn es mal hängt. Ein grober Plan kann ihnen vielleicht auch helfen, damit man sich lose an diesem entlang hangeln kann.

Die Mischform Plantser gibt es auch noch und kann natürlich beide Vorbereitungsvorschläge in sich vereinen. Das Beste aus beiden Varianten, quasi.

 

Doch egal was für ein Typ man ist, es kann helfen ein Fundament zu legen, damit im November nicht etwas auf wackeligem Boden hochgetürmt wird.

Was sind die heißesten Tipps?

  • Schaufel dir einen Termin frei.

Nutze den Oktober dafür um bereits einen Termin am Tag zu finden, der dir und dem Schreiben allein gehört. Und fange an diesen auch schon zu verwenden. Starte einfach mit 200 Wörtern oder mit 20 Minuten Plotten und steigere dich langsam.

  • Experimentiere, wie du dich in kreative Stimmung bekommst.

Teste verschiedene Methoden aus, die dir helfen in den Schreibflow zu kommen. Kleiner Tipp: Pomodoro. Mit dieser Methode arbeiten die Wordwars im Forum. Außerdem hat sie sich für Eve und mich sehr bewährt – auch wenn ich keine extra Eieruhr dafür habe.

  • Schaffe dir ein gesundes Arbeitsumfeld.

Schreiben ist Arbeit. Und der Kopf braucht die Info, dass jetzt Arbeit erfolgt, um sich zu fokussieren. Räume deinen Schreibtisch frei von Ablenkungen. Lade dir Apps runter, die das Handy für eine Weile blockieren oder die dich begleiten und nicht ablenken. Schaffe dir kleine Rituale, wie z. B. Tee kochen und Kekse bereitstellen als Belohnung für die ersten konzentrierten 15 Minuten. Überlege dir Beschäftigung für die Pausen wie Yoga, Spazieren gehen, Lüften und Strecken. Und selbst wenn du lieber gemütlich auf der Couch schreibst (dafür bewundere ich dich) versuche dir eine produktive Umgebung zu schaffen. Das geht auch unter einer Decke.

  • Lerne Menschen kennen.

Wie ich bereits hier veröffentlichte, ist das Schreiben nicht so einsam wie man meint. Und gerade der Austausch mit anderen ist sehr bereichernd. Das müssen wir ja schließlich wissen, sonst würde es uns hier nicht geben. Es gibt die Möglichkeit in dem Forum des NaNoWriMos Kontakte zu knüpfen, die aus der Region kommen.

Ein kleiner Überblick über die Themen im deutschsprachigen Forum

Aufgrund der Unübersichtlichkeit findet ihr den Link zu der deutschsprachigen Region hier. Dort könnt ihr direkt mitmischen. Und die Stammtische besuchen, wenn es sich ergibt. Es ist immer schön, sich mit anderen über die gemeinsame Leidenschaft auszutauschen.

Let the Prep Month begin …

Der Oktober kann jetzt schon sinnvoll genutzt werden. Ihr findet hier nochmal eine kleine Linksammlung, die euch bei der Vorbereitung helfen kann und – falls ihr Lust habt auf der Seite mit uns eine Writing Buddy Freundschaft zu beginnen – auch unsere Nicknames.

Der Schreibchannel von Jenna Moreci – ein SP-Autorin aus den USA, die mit ihren Rants und Tipps super motivierend ist.

Worldanvil – Eine World Building Plattform, sowohl für Autor*innen als auch Pen and Paper Spieler*innen.

Der offizielle NaNoWriMo-Twitteraccount der deutschen NaNoWriMos. Dort findet ihr im Oktober Fragen zur Vorbereitung und im November regelmäßige Schreibbattles.

Die offizielle Vorbereitungsseite des NaNoWriMos. Dort gibt es Arbeitsbücher für die Schule, die man kostenlos herunterladen kann und ein paar gute Gedanken für die Planung bereithalten.

Forest lässt innerhalb einer vorgesetzten Zeit einen virtuellen Baum wachsen, der stirbt, wenn man eine andere App öffnet. Damit wird man angeregt, das Handy nicht zu verwenden. Wenn man ein wenig Geld spendet, pflanzen die Betreiber der App sogar einige echte Bäume.

The Creative Writers Toolbelt (engl.) – Podcast von Andrew J Chamberlain, in welchem er viele nützlich Tipps, Tricks, Kniffe und einige spannende Interviews zum Thema „Kreatives Schreiben“ knapp und leicht verständlich darlegt.

Uns findet ihr hier:

Frau Vorragend
Eve Skillane
Karlotta Nordström

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