Der NaNoWriMo-Zwischenstand

November. 
Über die Hälfte dieses Monats sind um und wir waren ganz und gar nicht untätig. Wir stecken tief drin in den Wortsprints und Kriegen der Wörter, wir sind mitten im Gefecht mit Wortzahlen und Plotlöchern, befeuern uns mit Motivation und haben schon das eine oder andere Tief hinter uns. 

Es ist ein aufregender und anstrengender Monat. Aber wir lernen einiges dazu. Hier sind unsere Stimmen und erzählen euch, was wir im November bereits alles gelernt haben. 

Karlotta Nordström: Was hat der Nano mit mir gemacht?

Als ich zum allerersten Mal vom NaNoWriMo hörte, dachte ich „So ein Unsinn“ – warum sollte man in 30 Tagen 50000 Wörter herunterrattern, die am Ende nur dastehen, um dazustehen?

Mir widerstrebte es, das Schreiben auf eine Ebene mit einem „Stadt, Land, Fluss“-Spiel zu setzen, bei dem jeder das erstbeste nimmt, was ihm einfällt, nur um überhaupt irgendwas auf dem Papier stehen zu haben. Trotzdem meldete ich mich irgendwann auf der Plattform an.

Ein Schulfreund schwärmte immer wieder davon und ich dachte: „Ich mach einfach mal mit, vielleicht schreibe ich ja zufällig ein Buch dadurch.“

Doch alles, was dabei herauskam waren ein paar gelöschte Motivationsemails und ein paar gemogelte Wörter, damit die Schreib-Kurve mich nicht täglich so kläglich vorwurfsvoll ansah.

Heute weiß ich, es gehört mehr dazu als sich bloß auf der NaNo-Website anzumelden. Es geht weniger darum, am Ende einen Gewinnerkranz um das Profilfoto gelegt zu bekommen, als vielmehr darum, das Schreiben zu einem festen Bestandteil des eigenen Alltags zu machen.

Das ist mir dieses Jahr zum ersten Mal gelungen.

Zu mir als Schreibperson ist zu wissen: Ich bin eine geborene Hedonistin. Ich ruhe mich allzu gerne auf den Privilegien auf, die mir mein Leben bietet und genieße, wo ich nur kann. Autorin zu werden ist für mich immer so etwas wie ein Ass im Ärmel gewesen. Mein Traum, dem ich nachjagen konnte, wenn die Zeit es zuließ. Doch irgendwann wurde klar: diese Zeit wird nie einfach so vorbeikommen, ich muss sie mir verdammt nochmal nehmen.

In diesem Jahr sind vier Punkte für mich ausschlaggebend gewesen, um durch den NaNo zu kommen (21673 Wörter so far).

Punkt 1: Be prepared!

Im Gegensatz zu all den anderen Malen, haben ich gemeinsam mit den Texthäkchen den Oktober soweit wie es mir möglich war, genutzt, um auf den NaNo hinzuarbeiten. Mit Plotten, Schreib-Vlogs, Social-Media-Kanälen und Zeitplänen bin ich schon völlig anders in den November gegangen.

Punkt 2: Spread it!

Freunde und Verwandte wussten dieses Jahr Bescheid, was ich vorhabe. Ich habe darüber geredet und super viel Zuspruch gefunden. Egal ob von Poetry Slammer Kolleginnen auf Instagram, die meinen Wordaccount likten und mir viel Erfolg wünschten oder aber von Freunden, die sagten: „Hast du heute deine Wörter schon geschafft?“ oder „Ich bin stolz, dass du schon so viele Wörter geschrieben hast.“ Der Nano ist plötzlich etwas, was nicht nur ich ernstnehme, sondern auch alle um mich herum.

Punkt 3: Make it real!

Dass ich dieses Projekt beenden will, steht für mich schon länger fest. Aber durch den NaNo wird mir täglich aufgezeigt, dass ich es tatsächlich schaffen kann. Wenn ich heute nur 1667 Wörter schreibe, bin ich dem Ziel schon wieder näher. Zu Beginn des Nanos hat eine Freundin mir empfohlen, einmal darüber zu sprechen, wie ich den November abschließen möchte. So als wäre es bereits der 1. Dezember. Plötzlich wurde alles greifbarer. Ich begann, mit vielen Menschen um mich herum intensiver über die Geschichte zu reden. Ich beschäftigte mich mit Timelines und nutzte Softwares und Apps zum Intensivieren der Schreibprozesse. All das trägt täglich dazu bei, dass das Schreiben nicht mehr länger nur ein Hobby ist, sondern mehr und mehr zu meinem Beruf wird. Der Nano hat mir gezeigt, wie real das sein kann.

Punkt 4: Last but not least: Die Texthäkchen.

Ohne sie hätte ich den Nano-Start sicher verpennt oder mich gar nicht erst dazu aufgerafft. Das gemeinsame Schreiben, das gegenseitige Motivieren und pushen, die bloße Tatsache, dass wir uns auf demselben Weg zum Buch befinden – das sind nur einige Gründe, warum die Texthäkchen für mich so wichtig waren und sind (immer sein werden). Die Punkte 1-3 hätte ich nicht in Gang gesetzt, wenn es die Texthäkchen nicht gäbe. Unsere eingeschworene Autorinnengang gibt mir sowohl Halt als auch den Antrieb, den ich brauche, um voranzukommen. Und selbst wenn am Ende keine 50000 Wörter stehen werden, so weiß ich, dass ich weitermachen kann. Die Gemeinschaft ist stark und ich bin unendlich dankbar für sie.

Wenn ich also gefragt werden würde: „Was hat der NaNo mit dir gemacht?“, so würde ich sagen:
Er hat meinem Schreiben eine neue Relevanz gegeben. Eine Relevanz, die ich auch ab dem 01. Dezember nicht mehr hergeben möchte.“

Wie der NaNoWriMo loszog und mich das Handschreiben lehrte. Ein Kommentar von Eve Skillane.

Kinder, die Zeit der Ausreden und Halbwahrheiten ist vorbei.

Eve rockt den NaNoWriMo!

Trotz Vollzeitstelle und einem fiesen viralen Infekt habe ich zu diesem Zeitpunkt – 17.11.2019 um 20:35 Uhr – genau 37050 Wörter geschrieben. Und keines davon war mir eine Last.

Behalte ich diese Frequenz bei, dann habe ich mein Ziel am 23.11. erreicht. Sieben Tage vor der Deadline.

Angehalten von meiner werten Frau Vorragend setze ich mich an diesem Sonntagabend hin und ziehe ein Halbzeitresümee. Ich möchte über Gelerntes sprechen. Über den Gärtner in mir, der den Innenhof des selbstgebauten Palastes begrünt. Über den Einsatz verschiedener Medien. Über die Gründlichkeit der Handschrift. Und darüber, wie unglaublich stark der Wind der Texthäkchen meine Segel spannt.

Ein Plot ohne Leben?

In Vorbereitung auf den NaNoWriMo habe ich zwei Monate mit intensivstem Plotting verbracht. Ich weiß welcher Charakter zu welchem Zeitpunkt an welchem Ort ist, was er dort tut, warum er das tut, was er dabei fühlt, was er lernt, welche Gegenstände er bekommt oder verliert und welche anderen Ereignisse dazu geführt haben, das er ist, wo er ist. Ich habe Charakterbögen geschaffen in manischer Detailverliebtheit. Und obwohl das alles zum Schreiben gehört und wichtig ist, so war es doch eine Zeit, in der ich keine einzige Passage Fließtext zu Papier gebracht habe. Und das hat mich nervös gemacht.

Ich fürchtete den Beginn des NaNo. Was, wenn ich verlernt habe, wie man schreibt? Was wenn meine Worte leblos sind? Was, wenn ich einen Menschen aus Leichenteilen geformt habe, ihm aber keine Seele geben kann?

Der Architekt entdeckt das Gärtnern

Nun, der NaNo hielt hier seine erste Lektion für mich bereit: Ich kann schreiben. Bisher war ich diesen Monat um kein Wort verlegen. Und wo ich sonst immer wie ein vorsichtiger Architekt Wort an Wort gereiht habe wie Dominosteine, da schütte ich sie nun in mein Manuskript ohne Rücksicht auf Verluste.

Ich habe das Discovery Writing wieder für mich entdeckt. Solange ich meine Grenzen lockere, kommt der Flow beim Schreiben. Ausnahmslos. Ja, ich baue gerne, ich liebe Konstrukte und Plotpaläste. Doch gleichsam ist es der Garten im Innenhof, der dem Gebäude Leben einhaucht. Lasse ich die Charaktere frei in meinem blanken Gerüst, so füllen sie es mit Erinnerungen, Gerüchen, Schrammen und Dreck. Ich möchte beides sein. Architekt und Gärtner.

Schaffen mit der bloßen Hand

Die zweite überraschende Lektion, die der NaNo mich gelehrt hat ist meine lange vergessene Liebe für die Handschrift. Die Hälfte meiner einstündigen Mittagspause nutze ich stets für ein Handschrift-Pomodoro. Ich bin langsamer, als mit meinen Tasten. Das bedeutet, ich schaffe weniger Worte. Das bedeutet aber auch, dass meine Worte gründliche werden. Ideen haben mehr Zeit, sich zu entfalten. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, jederzeit das Notizbuch herauszuziehen und ein paar Worte hinzuzufügen. Meine Ortsbezogene Schreibarroganz zerfließt langsam, ich entdecke meine Fähigkeit, in lauten Cafés und Zügen zu schreiben, was ich vorher vermied. Diese Gewohnheit möchte ich aufjedenfall aus dem November mitnehmen.

Viele Wege führen zum Roman

Ich habe verschiedenen Charakteren verschiedene Schreibmedien zugeordnet. Schon im Vorfeld habe ich festgestellt, dass mein Schreibstil sich mit dem Medium ändert, das ich verwende – und das wollte ich mir zunutze machen, um meinen Charakteren verschiedene Stimmen zu geben.

Meine Protagonistin schreibe ich am Laptop, meinen Wirt per Hand und Vincents Szenen – so hatte ich es zumindest geplant – spreche ich in mein Diktiergerät. Letzteres habe ich bis jetzt vernachlässigt aus Gründen der krankheitsbedingten Heiserkeit und meiner Schüchternheit, es im Beisein von anderen Menschen zu verwenden. Doch ich nehme mir fest vor, es in den restlichen Schreibprozess einzubinden. Dennoch spüre ich das Resultat jetzt schon, denn durch meine Flexibilität gibt es momentan keinen Ort, an dem ich nicht Schreiben kann. Und das kommt mir sehr zugute. Eine weitere Gewohnheit, die ich beibehalten werde.

Eine Ode an die Texthäkchen!

Zu guter Letzt möchte ich noch ein Wort über meine Texthäkchen verlieren. Es ist Wahnsinn, was der Austausch mit Gleichgesinnten bewirkt. Das Thema des Schreibens ist bei uns allgegenwärtig, wir sprechen täglich über unsere Hürden und Erfolge und spornen uns an. Seit ich Teil dieser Gruppe bin hat mein Schreiben eine neue Priorität in meinem Leben eingenommen. Ich bin unglaublich motiviert und fühle mich auf allen Ebenen gestärkt. Der Schriftsteller ist kein Einzelkämpfer mehr, wir brauchen einander, wir machen einander besser.

Ich danke euch!

Alles neu und doch so vertraut - Ein Wiedersehen in fünf Akten von Frau Vorragend.

Ich bin die alte Weise der Texthäkchen was den NaNoWriMo angeht. Etliche Male habe ich bereits mitgemacht. Einige gewonnen, die meisten nicht geschafft, aber jedes Jahr packt es mich aufs Neue. 

Akt 1

Die Vorbereitung wollte ich dieses Jahr ganz anders gestalten. Ich besorgte mir ein Programm, ich versuchte Dinge zu visualisieren. Ich recherchierte viel und wusste doch nie, ob ich dieses Wissen jemals für meinen Roman brauchen würde. Doch ich wollte so viel wie möglich über diese Welt wissen, die ich da geschaffen hatte und ich wollte, dass sie authenisch ist. Der Plan befand sich in der Ausarbeitung, als ich dann merkte: „Das haut nicht hin. Ich kann das nicht so machen.“ 

Verzweifelt blickte ich auf den Kalender. Der Oktober war fast rum. Sollte ich alles umwerfen? Sollte ich doch nicht mitmachen? Sollte es vielleicht ein altes Projekt werden?

Vorhang. 

Akt 2

Die Würfel sind gefallen. Ich hatte meine Hauptfigur. Ich hatte die beiden wichtigsten Nebenfiguren. Und ich hatte einen groben Plan. Und damit würde ich arbeiten. Das ist der Geist des NaNoWriMos – nur du, ein leeres Papier und deine Kreativität. Damit hat es schon einmal geklappt. Damit würde es vielleicht dieses Mal klappen. Ich entschied mich also ohne Plan einfach drauf loszuschreiben. Und so entdecke ich meine Geschichte beim Schreiben selbst. Ich bin die erste Leserin dieser Geschichte, die entsteht, während ich die Wörter fließen lasse. Es geht stockend, plätschernd, fließend oder reißend vorwärts. Aber es geht vorwärts. 

Applaus. Vorhang.

Akt 3

Dramatische Musik. 

Der NaNoWriMo ist selten einfach. Er klingt so. Vermittelt dir erstmal das Gefühl von „Das kann jeder!“ Doch es gibt das Leben. Und das kommt einem immer in die Quere. 

Der Kick-Off gelang nicht. Eine Erkältung bremste die Konzentration und eine depressive Episode brachte dann alles zu Erliegen. Die Probleme beim Discovery Writing schlugen bereits am Anfang sehr ins Gewicht und ich verlor meinen Drive. Ich beobachtete, wie sich täglich die NaNoKurve von Soll und Haben voneinander entfernten. Der Spalt zwischen den Wörtern, die ich tatsächlich habe und denen, die ich haben sollte wurde größer und größer. Und da war sie wieder: die Angst, es erneut nicht zu schaffen. Nicht das Ziel zu erreichen. 

Dramatische Musik wird lauter und endet abrupt. Vorhang. 

Akt 4

Vorhang bleibt zu. Spotlight.

Darum geht es jedoch nicht im NaNoWriMo. Klar, gewinnen ist schön. Es gibt ja auch was dafür. Aber warum definiere ich das Gewinnen so streng? Ist es nicht bereits ein Gewinn 5.000 Wörter geschrieben zu haben? Ist es nicht bereits ein Gewinn, jeden Tag geschrieben zu haben, selbst wenn es nicht das Tagessoll war sondern „nur“ 500 Wörter? Ist es nicht bereits ein Gewinn, dass ich jeden Tag über das Schreiben rede und mich ständig mit meiner Geschichte beschäftige? 

Ich sage, ja. Es ist auch ein Gewinn. Und selbst wenn ich die 50.000 Wörter nicht schaffen sollte, schreibe ich weiter. Über den November hinaus. Und über den Dezember hinaus. Bis die Geschichte fertig ist. Für die neue Geschichte steht dann der November 2020 bereit. 

Applaus. Licht aus. 

Akt 5

Vorhang auf. 

Was nehme ich mit? Auch wenn es nicht die 50.000 Wörter sind? 

Ich bin umgeben von sehr vielen, sehr kreativen Menschen. Ich habe das Glück, dass zwei von ihnen bereits zu Wort gekommen sind und was sie über unsere Beziehung schreiben, unterschreibe ich vollumfänglich. Wir sind einander eine Stütze, eine Motivation und ein Arschtritt – was gerade gebraucht wird. Und das alles aus einer Position heraus, die von Liebe, Respekt und Freundschaft geprägt ist. Ein wahrer Wohlfühltempel. 

Sie sind nicht die einzigen, denn das gleiche gilt für die Chatadias, die für mich ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden sind, auch wenn wir über ganz Deutschland verteilt leben. Auch hier brachtes uns das Schreiben zusammen und verbindet uns eine tiefe Freundschaft, die jeden Tag weiter blüht. 

Und der Lebenskomplize. Für ihn gilt dies und vieles mehr. 

Schreiben ist wichtig. Diese Menschen sind wichtig. Und beides zusammen, erhält meinen kreativen Geist und hilft mir, die Geschichten zu Papier zu bringen, die ich mir ausdenke. 

Vorhang. Applaus. 

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