Frauvorragendes Format: Liebes 2019 …

Liebes 2019,

Nun bist du vorbei und sowohl du selbst als auch eine ganze Dekade endet. Es ist Zeit für einen Abschied, geprägt von Anfängen, Scheitern, Aufbrechen und Ankommen.

Auch wenn ich es 2018 zu verdanken habe, so warst du das Jahr, welches Entschlüsse bekräftigt und Taten befähigt hat. Ich bin gewachsen, wie jedes Jahr. Habe nun einen großen Schub gemacht, den ich mir, als du mich begrüßt hast, nicht vorstellen konnte. Nun blicke ich zurück und sehe, wo ich angefangen habe. Eine feine Linie am Türrahmen zeigt die Spanne, die ich größer geworden bin. Ich zeichnete sie ein, um mich dran zu erinnern, dass alles Wachstum bedeuten kann. Das hast du mir auch gezeigt.

Ich habe meine Karriere als Autorin lange im Stillen gelebt. Ich habe sie weder als Karriere bezeichnet, noch mich selbst als Autorin so genannt. Du hast es getan. Und meine Wahrnehmung verschoben. Du hast auf die Menschen gedeutet, die da sind und meine Texte lesen und hören möchten. Du hast sie hervorgelockt und mir offenbart. Jetzt bin ich eine Autorin und es ist okay. Sogar mehr als okay. Es ist sehr gut.

Gemeinsam mit engen Freunden und Verwandten konnte ich mit den beiden anderen Häkchen in der Buchhandlung Jokers lesen. Es war für uns ein Anfang. Für die Buchhandlung ein bittersüßer Abschied. Und für alle Beteiligten etwas sehr Besonderes.

Es folgten kleine kreative Krisen und eine neue Idee reifte heran. Und ich ließ sie langsam reifen, denn du, 2019, gabst mir die Zeit dafür. Dein Wispern im meinem Ohr, dass ich Zeit habe, auch wenn andere schon weiter sind als ich. Du hast mir mein eigenes Tempo gestattet und nahmst so den Druck heraus, verjagtest die Zweifel und Krisen.

Die Konstante durch Richard bei Radio F.R.E.I. haben wir dieses Jahr richtig ausgelebt. Und sogar außerhalb unserer Komfortzone haben wir so die Möglichkeit gehabt, mit Menschen im Radio zu sprechen. Es ist schön, dass du mich das weiterverfolgen lässt.

Es folgte im Sommer die Vorlese-Matinee in der Barfüßerruine. Vor traumhafter Kulisse und mit dem Potenzial, etwas sehr großes zu werden. Um dann doch unbeachtet zu versanden im Trubel. Ich erinnere mich noch genau daran, wie niedergeschlagen ich war, wütend auf mich selbst. Doch anstatt meine Wut zu bestärken oder mich noch weiter hinabzuziehen, gabst du mir etwas Positives aus dieser Erfahrung mit. Ich habe die Chance genutzt. Und ich habe gesehen, dass sie auch mal nicht so ausgeht, wie erhofft. Und ich habe meine Grenzen kennengelernt. Dass ich nicht alles für etwas tun muss, sondern auch ein “Nein” okay ist. Danke dafür.

Meinen Fokus wollte ich im November ganz auf das Schreiben lenken. Aber das Leben kam dazwischen. Dunkel und hart. Ich hörte deine Stimme. Sie sagte erneut: Das ist okay und du gabst mir die Zeit, mein Leben zu ordnen und lenktest den Fokus auf mich und mein Innerstes.

Und als ich es am meisten gebraucht hatte, gabst du mir noch den Aufschwung, den ich nötig hatte. Mit dem Gewinn des Eobanus-Hessus-Förderpreises und dem Lesen bei der Erfurter Lesebühne in intimer, unaufgeregter und entspannter Atmosphäre konnte ich das Gefühl wieder kennenlernen. Wie es ist, wenn da Menschen sind, die meine Werke schätzen. Die sie würdigen und sie sogar auszeichnen. Ob durch Preise oder Applaus.

Du hast mir dieses Jahr auch gezeigt, dass die Texthäkchen die besten Freundinnen sind, die man sich wünschen kann. Wir sind mehr als drei junge Frauen, die gemeinsam bloggen. Wir sind Frauen, die einander verstehen, unterstützen und bereichern. Und das in allen Lebenslagen.

Was du mich ebenso gelehrt hast, ist, dass nicht nur die Texthäkchen mich schriftstellerisch unterstützen. Da sind noch so viele mehr. Du hast mir gesagt, ich soll es in die Welt hinaustragen, was ich tue. Und ich habe keine Ablehnung erfahren, sondern überwältigend viel Zustimmung und Unterstützung. Es war ein guter Rat von dir, 2019.

Nun jedoch ist es Zeit, dich zu verabschieden. Du hast großes geleistet und ich danke dir.

Liebes 2020,

Wir werden großartig werden, ja?

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