Die Schreibnacht

Was ist die Schreibnacht?

Die Legende besagt, dass sich eine wundervolle Jennifer Jäger damals gedacht hat: „Mensch, gemeinsam durch die Nacht schreiben, wäre doch super.“
Gesagt getan.

Aus einer Facebook-Veranstaltung, bei der sich begeisterte Schreiberlinge zu Dutzenden zusammengefunden haben, um gemeinsam den Schreibblockaden zu trotzen, formte sich eine Idee. Nachtaktive waren besonders angetan, denn endlich hatte jemand einen Rahmen geschaffen, der ihrer kreativen Hochleistungszeitspanne entgegenkommt.
Doch Facebook war auf Dauer ungeeignet und so packte man seine sieben Sachen und zog um. Ein Forum sollte es sein und ein Forum wurde es auch. Immer mehr schreibwütige Nachteulen und Tagschwärmer tummelten sich in den virtuellen Heiligen Hallen der Schreibnacht herum und es wuchs und wuchs.
Regelmäßig gedenkt man der Anfänge der Schreibnacht und verabredet sich einmal im Monat zur gemeinsamen Pyjamaparty der Stilblütenerschaffer und Manuskriptbezwinger. Immer dabei: der Special Guest. Berühmte Autoren wie Kerstin Gier oder Cornelia Funke stellten sich eine Stunde lang oder länger den Fragen der Autoren. Und auch aus den eigenen Reihen Emporgestiegene wie Kat Reid bekamen ihre Bühne.
Danach beginnt die Heldenreise. Die mutigen Schriftsteller hangeln sich von Etappe zu Etappe, von Aufgabe zu Aufgabe durch die Nacht. Und um Schlag drei Uhr endet der Zauber der gütigen Motivationsfee.
Es folgen der vielbesungene Schreibnachtblues am nächsten Morgen und die Vorfreude auf die nächste Schreibnacht.

Was macht die Schreibnacht so besonders?

Schreibnacht ist ʻOhana.
Nicht nur das monatliche Event sorgt stets dafür, dass sich zahlreiche neue Gleichgesinnte im Forum anmelden und ein Teil davon sein wollen, sondern auch tagtäglich bestreiten die Autoren gemeinsam ihre Herausforderungen auf dem Weg, ein Bestseller-Autor zu werden. Oder um etwas Größeres zu erreichen: das Erzählen einer Geschichte.
Dabei ist das Forum eine feste Anlaufstelle geworden. Zusammen bekämpft man Schreibblockaden, bestreitet Wortkriege, erlebt Schreibabenteuer und bezwingt die Tücken der unzähligen Genres in kleinen Gruppen.
Ich sagte schon, dass Autoren ein merkwürdiges Kollektiv sind und nicht selten begegnen uns die Menschen mit skeptischen Blicken. Schreiben? Was für eine Art Hobby soll das sein?
Doch in der Schreibnacht findet man Menschen, die genau über die Marotten eines Schreiberlings Bescheid wissen – sie durchleben sie ja selbst.
Und so entstehen, über das gemeinsame Schreiben hinaus, Freundschaften. Freundschaften mit echtem Stellenwert.

Die Arena der 44. Schreibnacht – Jubeljubiläum

Der vierte Geburtstag der Schreibnacht wurde begangen. Die Tribute haben sich gemeldet – größtenteils freiwillige aus allen Distrikten –  und die Arena wurde hergerichtet.
Neue Spielmacher wurden auserkoren, das Jubeljubiläum zu gestalten. Und um Punkt 20 Uhr fiel der Kanonenschuss und die allmonatlichen Schreibnachtspiele waren eröffnet.
Einer der Tribute war ich selbst. Und so habe ich die 44. Schreibnacht erlebt:

19:08 – Knappe Stunde zur Vorbereitung bevor ich die Arena betrete. Teewasser wird gekocht. Teekanne überhaupt erstmal gesucht. Teelicht gezündet.

20:00 – Die Schreibnacht beginnt. Der Kanonenschuss fiel und die Tribute stürzen sich in die Fragerunde. Auch ich stelle eine Frage. Bisher hielt ich mich eher bedeckt bei diesen Starts.

20:48 – Gleich geht das Schreiben los. Die ersten stimmungsvollen Fotos sind geschossen. Instagram-Story fehlt noch. Das ist alles nötig um ordentlich ausgerüstet zu sein. Es tummeln sich erschreckend viele um das Füllhorn (Forum). Ich und Eve haben uns in etwas abgelegenere Gefilde der Arena verzogen (ICQ).

21:07 – Instagram-Story zu den Fotos ist erledigt. Tee Nummer Zwei ist eingeschenkt. 0 Wörter bisher geschrieben. Dokument aber zumindest geöffnet. Die Arena ist besonders hart und hält mich als Tribut davon ab, wirklich schreiben zu können. Gespräche im Chat lenken mich ab. Ich werde von Prokrastination angegriffen.

21:24 – Der erste Satz steht.

21:50 – Die erste Etappe ist vorbei. Einige Tribute verlassen die Arena, jedoch gibt es nicht sonderlich viele Kanonenschläge. Tee Nummer Zwei neigt sich dem Ende. Die Packung Fruchtgummi ist geöffnet. Schreiben klappt nicht so gut.

21:55 – #TeamStockbrot

22:18 – Ich versuche es mit einem Taktikwechsel. Aperol steht auf dem Tisch. Und die zweite Etappe wird nochmal zum Schreiben genutzt.

22:29 – Brötchen als Snack zwischendurch. Meine Sponsoren meinen es gut mit mir und die Stärkung gibt mir nochmal frischen Auftrieb.

22:35 – Überarbeitung statt Schreibung. Der neue Taktikwechsel war mit meinem Mentor schon lange vorher besprochen. Ich hoffe, ich kann ihn gut umsetzen.

23:11 – 3 Seiten überarbeitet. Wo ist der Tee? Meine Mitstreiterin hat die Arena verlassen. Auch ich fürchte, dass ich in der aktuellen Etappe zu den ausscheidenen Tributen gehören werde.
Muss. Durchhalten.

0:00 – Der Kanonenschlag für mich ist ertönt. Die 44. Schreibnachthungerspiele sind für mich beendet.

Ich kann die nächste Ernte kaum erwarten. Muss nun dem Schreibnachtblues vorsorgen und eine Mütze voll Schlaf bekommen.
Und möge das Glück stets mit dir sein!

Die Tücken der Schreibnacht

Abschließend muss ich euch jedoch noch auf die Gefahren der Schreibnacht hinweisen.
Nicht nur, dass man sich plötzlich in einem Umfeld von Autoren wiederfindet, deren vorrangiges Googlesuchspektrum „Kreatives Töten“ ist, die Schreibnacht ist auch hochgradig motivierend. In einer Nacht schreibt so manch einer mehr Wörter als in einer ganzen Woche. Manuskripte erleben einen regelrechten Wortschub und platzen aus allen Nähten.
In den letzten Etappen wimmelt es nur so von Stilblüten und Rechtschreibfehlern, die nur darauf warten, sich auf unwissende, übermüdete und wehrlose Skripte zu stürzen. Meist entdecken die Betroffenen die Schäden erst am nächsten Tag.
Und der Schreibnachtblues ist gewaltig. Wie der Kater nach einer alkoholgeschwängerten Nacht, zieht er einen am Folgetag nochmal richtig runter. Diesem sollte jeder vorbeugen. Wie?
Das weiß ich nicht. Denn ich leide immer noch jedes Mal am Schreibnachtblues. Was mich jedoch nicht davon abhält, mich erneut in die Arena zu stürzen und gemeinsam mit anderen Schreibverrückten die Nacht zu nutzen, um eine Geschichte zu erzählen.

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