Frau Vorragends „Kann ich ein Autor werden?“-Test

Kann ich denn ein Autor werden?

Deine Leidenschaft hast du noch nicht wirklich festgelegt und bevor du dich für Fußball, im Chor singen oder Modelleisenbahnen entscheidest, möchtest du es vielleicht mit dem Schreiben versuchen?
Du hast dir schon immer gedacht: „Autor werden, wäre ein großartiges Erlebnis!“, weißt aber nicht, ob du das Zeug dazu hast?
Du willst nun endlich Nägel mit Köpfen machen, aber dir fehlen noch die letzten Argumente, damit du dich wirklich an die Schreibmaschine setzt?
Dann zeige ich dir, warum DU das Zeug zum Schreiberling hast und warum DU absolut perfekt bist um zu schreiben!

1. Notizbücher <3

Zuerst stehst du auf, wirfst einen Blick in deine Taschen (Handtaschen, Rucksäcke, Jutebeutel usw.) und überprüfst ob in jeder dieser Taschen – egal wann du sie zuletzt dabei hattest – ein leeres Notizbüchlein zu finden ist.
Wenn du dies mit JA beantworten kannst, dann kannst du direkt zum nächsten Punkt springen. Die erste Hürde zum Autor-Sein ist genommen.

Wenn du das mit NEIN beantworten musstest, dann solltest du dich schleunigst mit kleinen leeren Notizbüchern eindecken, alle Taschen damit ausstatten und am besten noch einen Stift dazu werfen.
Warum?
Als Autor hat man Ideen beinahe überall. Inspiration schafft manchmal ein Werbeschild, ein Gespräch in der Straßenbahn oder ein kurzer Blick auf einen anderen Menschen. Damit diese  Ideen nicht verschwinden, solltest du in der Lage sein, sie immer festzuhalten.
Falls du mehr auf moderne Technik abfährst – Handys haben auch oft ein Notebook als App.

2. Intimes Verhältnis zu Büchern

Wenn bei der Überschrift bereits dein Blick auf dein prall gefülltes – eigentlich zu kleines – Bücherregal gefallen ist, du direkt den Duft von neuen Büchern in der Nase und das Gefühl frischer Seiten auf den Fingern hast, dann kann man dir nur gratulieren. Zweiter Schritt mit Bravur gemeistert!

Entgegen der Meinung einiger weniger, sollte jeder der schreibt, auch lesen. Viel lesen. Verschiedenes lesen. Und natürlich vorrangig Bücher – sind sie doch schließlich das Medium, welches man vielleicht selbst einmal produzieren möchte.
Bücher sind vor allem wichtig, um selbst auch sein Handwerk zu schulen. Nur wer Sprache anderer versteht, kann sie auch anwenden.
Und wer liest, erweitert seinen Wortschatz. Und wer einen großen Wortschatz besitzt, der könnte einen guten Roman schreiben.
Natürlich sollte man auch mit Büchern vertraut sein, die in dem gewählten Genre beheimatet sind. So lernt man genretypische Eigenschaften kennen, sieht, wo die Trends liegen und was die großen Vertreter der einzelnen Genres so gut macht. Dann könnt ihr auch bewusst mit Regeln brechen, mit genretypischen Eigenschaften spielen und euch sicher in diesem Bereich bewegen.

 

3. Die Nachtstunden sind die besten

Du hast das Tageslicht schon seit längerem nicht mehr gesehen und kannst auch jetzt die Sterne und den Mond sehen, wenn du aus dem Fenster schaust? Gut. Weiter geht’s für dich!

Es geht schon damit los, dass manchmal eine Idee kurz vor dem Schlafen gehen im Kopf entsteht. Während noch eine kleine Stimme der Unwissenheit einem zuflüstert, dass die Idee morgen früh sicherlich auch noch da sein wird, sollte der Großteil der inneren Stimmen dich anschreien, damit du deinen Hintern aus dem Bett bekommst. Denn jede Idee, die du nicht sofort aufschreibst, ist für immer verloren!
Du wirst außerdem merken, dass sich dein Alltag umstellt. Lange schlafen und dann bis tief in die Nacht hinein am Schreibgerät sitzen. Weil man dieses verdammte Kapitel noch zu Ende schreiben will. Und im Mondlicht fließen die Wörter nur so – auch wenn sie am nächsten Morgen fast unleserlich geworden sind, weil man so müde war, dass man gar nicht mehr sehen konnte, was man da eigentlich getippt hat.
Es gibt Gerüchte, dass manche Autoren früher aufstehen um noch vor der Arbeit zu schreiben – aber wenn das wirklich ein Trend ist, glaube ich kaum, dass er sich durchsetzen wird. Genauso wie dieses Internet …

 

Hier ist die Polizei! Sie sind des Mordes verdächtig!

 

Du wurdest schon von der Polizei kontrolliert, weil du laut über die Idee zu einem Thriller nachgedacht hast?Gleich weiter zum nächsten Punkt – du machst dich schon hervorragend als Autor!

Die Fantasie ist grenzenlos. Manchmal muss man sie laut artikulieren, damit die Gedanken besser kreisen können.
Dies in der Öffentlichkeit zu tun, kann mitunter ein Risiko darstellen. Schiefe Blicke von Mitfahrern im Bus sind eine Sache. Eine Hausdurchsuchung weil man laut Googleverlauf eine Bombe aus Menschenteilen aus dem Mittelalter basteln will, ist eine andere.
Jedoch müssen wir uns austauschen und informieren. Nutzt eure Autorenkollegen als Gesprächspartner für die Gestaltung des perfekten Mordes. Und öffentliche Computer für die Baupläne von Foltergeräten.

 

Deutsche Sprache? Schönste Sprache!

Wenn du ein*e Meister*in darin bist, Schachtelsätze zu formen, die sich problemlos herunterlesen lassen und du ganz genau weißt, welcher Punkt wohin gehört und wann ein Wort nicht gebraucht wird, dann bist du mit Punkt 5 schon durch.

Wie oben schon erwähnt, ist das Lesen ziemlich wichtig. Wortschatz und so.
Aber es braucht nicht nur Buchliebe sondern auch eine Liebe zur Sprache selbst. Neben dem sicheren Beherrschen der Rechtschreibung und Grammatik, sollte ein Schreiberling auch Freude in einzelnen Worten finden.
Sei es der Klang von bestimmten Wörtern, die wir gerne aussprechen oder die Schreibweise, weil es das Wort schön wirken lässt.
Als Autor sollte man kein Problem damit haben, an dem einen Satz mehrere Stunden zu sitzen, ihn immer und immer wieder umzustellen, Wörter zu löschen, sie doch wieder hinzufügen, bis auf dem Papier (oder Display) der perfekte Satz steht. Denn die eigene Sprache macht Spaß, ist vielseitig und wer sie beherrscht, der kann wunderbare Geschichten erzählen, die den Leser mitreißen.

 

Kritik? Ja! Nein! Ich weiß es auch nicht …

Wenn du nicht direkt in Tränen ausbrichst, wenn jemand einen konstruktiven Kritikpunkt vermittelt, dann kann man nur gratulieren. Du bist wieder ein Schritt weiter.

Kritik ist wichtig.
Keiner von uns Autoren ist davor gefeit, dass man kritiklos ein Buch schreiben kann. Wer sich verbessern will, muss sie sich einholen und umsetzen.
Kritik ist aber auch nicht immer schön.
Man benötigt zum einen die richtigen Kritiker – Menschen, die konstruktiv und sachlich aufzeigen, was nicht ganz so gut ist. Besser sind die, die selbst ein wenig Ahnung haben und gute Verbesserungsvorschläge mitliefern. Goldstücke sind jene, die trotz der Schwächen auch Dinge zeigen, die man wirklich gut gemacht hat. Das macht die Kritik leichter zu ertragen.
Es ist schwer, sich auf sie einzulassen und es kann schon sein, dass bei der ersten Kritik Tränen fließen. Sucht euch eure Testleser sehr gut aus. Ihr müsst ihnen nicht nur zu hundert Prozent vertrauen (immerhin geht es um eure Texte, die ihr vielleicht mal veröffentlichen wollt), sondern auch das Gefühl haben, dass sie euch auf jeden Fall helfen werden. Ohne euch zu vernichten.

Hast du nun das Zeug ein Autor zu werden?

Wenn du dich in den Punkten wiedergefunden hast, dann bist du vermutlich schon ein alter Hase.
Alle anderen konnten einen kleinen, sehr subjektiven, Einblick bekommen, was alles zum Schreiben dazu gehört. Und ihr, die noch nicht in den Sog gezogen wurdet, seid versichert: Lasst euch von keinem der genannten Punkte entmutigen!
Der allerwichtigste Punkt ist die Liebe zum Geschichtenerzählen. Ob ihr das professionell oder nur für euch machen wollt, ist vollkommen egal. Wichtig ist, dass ihr sie erzählt. Dass ihr hinter jeder Zeile, jedem Wort und jedem Komma (sofern ihr sie auch setzt – ich vergesse sie gerne) steht und am Ende das Gefühl habt, dass eure Geschichte erzählt ist. Lasst euch nicht entmutigen.
Schreibt, wenn ihr das Gefühl habt, ihr müsst es tun.
Dann habt ihr auch das Zeug, ein Autor zu sein.

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