Schreiben im Alltag

Seien wir ehrlich: die wenigsten Autoren haben das große Glück, morgens aufzustehen, wenn die Sonne untergeht und sich nach einem Schuss Kaffee im Brandy an die Schreibmaschine zu setzen um dort den nächsten Bestseller und Literaturnobelpreis-Roman aus dem Ärmel zu schütteln.
Die Realität sieht für die meisten von uns anders aus. Wir müssen noch einen “realen” Job machen. Haben Verpflichtungen mit echten Menschen. Und bewältigen das Schreiben neben allem anderen, was der Alltag so an Tücken mit sich bringt.

Wie kann ich jedoch trotz des Alltagswahnsinns mein Schreiben unterbringen? Nun, ich wäre ja nicht so frauvorragend, wenn ich nicht ein paar Tipps für euch hätte.

Partners in Crime

Bonnie und Clyde wären niemals so berühmt-berüchtigt gewesen, wenn es nur Bonnie gewesen wäre.
Es ist sehr gut, wenn man sich auf jemanden verlassen kann, der einem dabei hilft, über sich hinauszuwachsen.
Ihr sollt jetzt nicht zu einem gefürchteten Verbrecherpaar werden, aber wenn ihr das Glück habt, in einer Beziehung zu leben, dann spannt euren Partner mit ins Schreiben ein. Es ist auf jeden Fall bereichernd, zeugt davon, dass ihr dieser Person viel Vertrauen entgegenbringt und schafft mit guter Absprache sogar einen Haufen Schreibzeit!
Wenn ihr nach einem langen Arbeitstag eigentlich nur noch ein paar hundert Wörter tippen wollt, aber eigentlich mit dem Abwasch dran seid, dann fragt euren Partner, ob ihr nicht tauschen könnt, damit euch die Zeit dafür ermöglicht wird (andersherum übernehmt ihr natürlich auch eine Aufgabe).
Lasst euch auch bei schweren Stellen weiterhelfen, indem ihr einfach kurz mit eurem Herzensmensch über das Plotproblem redet.

Fragt eure Autorenfreunde nach gemeinsamen Schreibstunden im Anschluss an dem Job, sodass ihr euch gegenseitig noch motivieren könnt, wenn ihr mal den Arsch nicht hoch bekommt, um zu schreiben – Mannschaftsschreiben ist fördernd, weil man seine Mitstreiter nicht hängen lassen will.

Schafft euch eine kleine Autorenbubble, bei der es viel ums Schreiben geht und nutzt den Aufwind, wenn in der Gruppe einige nach Feierabend noch die Zeit nutzen, um ein paar Zeilen zu schreiben.

Warten auf Godot – vielleicht bringt er die Muse mit

Ich warte bis mich die Muse küsst. Dann schaffe ich am meisten!

Diese Aussage haben wir doch alle schon mal so oder so ähnlich gehört und selbst gesagt.
Mittlerweile weiß ich (leider): die Muse kommt nicht und küsst mich einfach. Die wartet eher darauf, dass ich meinen Hintern auf mein Minifahrrad schwinge, bergauf herumstrampel, um sie dann auf dem Gepäckträger abzuholen.

Harte Realität. Aber die Muse ist zickig und eigenwillig und hat einen ziemlich festen Terminplan – Besuche bei mir haben sich höchstens halbjährlich angekündigt. Wenn alles klappt.

Soll ich jetzt also meine Schreibphasen auf diese Termine legen und sonst nicht Geschichten tippen? Der Roman würde dann wohl nie fertig werden.

Was bleibt mir also übrig, als ohne Muse zu schreiben?
Ich trainiere mir also den Schreibflow, den die Muse ja auslöst, selbst an. Denn mehr ist sie auch nicht – Antrieb. Die Muse ist nicht die geniale Geschichte, die ihr schon bis ins Detail ausgeklügelt habt oder die wunderbaren Figuren, die nur darauf warten, diese Geschichte zu leben. Sie ist nur der Antrieb, den wir alle brauchen um diese 3000 Wörter an einem Abend herausfließen zu lassen.
Wir brauchen also nur etwas Training, um vom E-Bike unter den Schreibflows auf einen eigenen, mit Muskelkraft und Schweiß entstanden Fluss zu gelangen.

Wie jede Art von Training, muss der Schweinehund überwunden werden, jeden Tag aufs Neue. Die Ziele können dabei klein gesteckt werden und erst nach und nach vergrößert werden. Wichtig ist das Durchhalten.
Und wenn man es geschafft hat, dann kann man sich selbst in diesen Flow versetzen und muss nicht auf die Quartalstermine der Muse warten.

Eine Trainingsform habe ich euch schon auf unserer Facebookseite vorgestellt.

I’m late, I’m late, for a very important date!

Ein Tag hat leider nur 24 Stunden. Das denken wir sicherlich das ein oder andere Mal. Manchmal könnten wir zwei Stunden mehr gebrauchen, um wirklich alles zu schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Das uns einmal im Jahr eine Stunde geschenkt wird, wenn wir die Uhren zurückstellen, hilft dabei auch nicht gerade, immerhin verschwindet sie ja auch wieder, diese geschenkte Stunde.

Wie also sollen wir überhaupt Zeit finden? Nun, auch hier ist die knallharte Realität: Die Zeit finden wir nicht. Die liegt nicht einfach irgendwo herum und kann als Power Up genutzt werden, um die Uhr eine Stunden nach hinten zu verschieben.
Wir müssen auch hier selbst aktiv werden. Dass heißt, wir krempeln die Ärmel hoch und schaffen selbst etwas Zeit, die wir zum Schreiben nutzen können.
Das kann schon ganz einfach beginnen, indem man den Wecker morgens eine halbe Stunde früher stellt und diese gewonnene halbe Stunde direkt nutzt. Man kann sich auch wöchentlich einen Termin machen, bei dem wirklich geschrieben wird. Jeden Donnerstag von 19 bis 20 Uhr zum Beispiel. Dies ist dann ein genauso fixer Termin wie Fitnessstudio, Tanzstunden oder Blockflötenunterricht und sollte genauso verbindlich wahrgenommen werden.
Dazu gehört – wer hätte das gedacht – wieder Disziplin, Durchhaltevermögen usw. Natürlich kann auch mal etwas Wichtiges dazwischen kommen, sodass wir diesen Termin nicht wahrnehmen können. Aber das sollte dann auch die Ausnahme sein. Wenn wir ständig unsere Schreibstunden absagen, um andere Termine darauf legen zu können, dann gilt es vielleicht mal, die Prioritäten neu zu ordnen.
Wer ernsthaft schreiben will, der wird sich auch mal in Absagen üben müssen. Da ich den Aufschrei bis hierhin hören kann: Freunde und Familie werden dafür Verständnis haben, wenn sie wissen, wie wichtig euch das Schreiben ist. Richtige Freunde werden auch von eurem Termin in der Woche wissen und euch vermutlich erst für den nächsten Tag fragen. Die richtig guten Freunde werden euch noch dran erinnern, dass ihr eigentlich schreiben sollt!

Zuckerbrot und Zuckerbrot!

Das klang bisher auch mehr nach Arbeit als nach Vergnügen, oder? Weil ich euch heute ohnehin gerne auf den Boden der Tatsachen holen möchte: Schreiben ist auch Arbeit. Wer etwas anderes behauptet, der verfolgt seine Autorenkarriere vielleicht nicht ganz so ernsthaft wie gedacht oder ist ein Genie, dem alles zufliegt – und die sind auch eher so etwas wie Einhörner.

Schreiben sollte jedoch niemals in eine Form von Arbeit ausarten, die euch mit einem schlechten Gefühl enden lässt, die euch emotional unter Druck setzt. Es sollte eine Form von Arbeit sein, die gemacht werden muss, die aber auch glücklich macht, wenn man dann vom Schreibtisch aufsteht und sieht, dass man wieder vorwärts gekommen ist.

Da gerade im Alltag viel in Arbeit ausartet und dann noch das Schreiben dazu kommt, sollten wir besonders auf uns Acht geben. Wenn es wirklich gar nicht geht, dann sollte man sich auch nicht krampfhaft zwingen. Diese Tage erleben wir doch auch mal im Büro, auf dem Bau oder wo auch immer das tagtäglich Brot verdient wird.
Auszeiten und Belohnungen sind gefragt.

Für die kleinen Etappen an Arbeit, die ihr erledigt, sucht ihr euch kleine Belohnung aus. Ich bekomme nach 500 Wörtern einen Klecks Schokopudding, um mal ein Beispiel zu nennen. Die Belohnung kann alles sein: ein entspannendes Vollbad, ein Spaziergang, ein neues Notizbuch oder was euch sonst so einfällt.

Und wenn, wie oben beschrieben, mal wirklich gar nichts geht?
Dann ist die Auszeit völlig okay. Die braucht man manchmal. Deswegen gibt es ja vom Gesetzgeber auch Urlaubstage!
Die sollten man auch dem Schreiben gönnen. Außerdem müsst ihr euch ja dabei nie gänzlich vom Schreiben abwenden. Ihr könnt euch Gedanken zu einer neuen Geschichte machen und plotten. Ihr könnt auch eure Autorenbubble pflegen, etwas testlesen. Vielleicht bringt ihr euer Marketing und eure Autorenmarke voran.
Wenn ihr die Batterien dann aufgeladen habt, könnt ihr das Projekt fertig schreiben.

Wie klappt es denn nun, das Schreiben im Alltag?

  1. Sucht euch Unterstützung in eurem Umfeld
  2. Trainiere dir den Schreibflow an
  3. Sortiere deine Prioritäten und schaffe dir Zeit zum Schreiben als festen Termin
  4. Belohne dich und nehme dir auch mal eine Auszeit

So kann das Schreiben kann in eurem Alltag Platz finden. Alles eine Sache der Übung und der Prioritäten. Wenn das Schreiben so wichtig ist und ihr unbedingt diesen Roman fertig haben wollt, dann müsst ihr selbst was dafür tun. Dass es neben einer 40-Stunden-Tätigkeit echt schwer sein kann, wissen wohl alle. Aber vielleicht könnt ihr ja den ein oder anderen Tipp umsetzen. Ansonsten schaut einfach nochmal im Artikel von Eve vorbei, die auch ein paar grundlegende Tipps zur Schreibmotivation zusammengestellt hat.

Und hoffentlich können wir dann bald eure Geschichte lesen!

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