Die Schreibtour – ein Weg, ein Ziel und viele Worte

Laufen und schreiben? Geht das überhaupt?
Das geht. Das läuft sogar.
Wir verraten euch, was ihr auf einer Schreibtour beachten müsst und wie sie euch helfen kann, eure kreativen Muskeln zu aktivieren.

Was ist eine Schreibtour eigentlich?

Nein, es handelt sich bei unserer Schreibtour nicht um eine onlinegestützte Challenge, in der man innerhalb weniger Zeit Aufgaben abzuarbeiten hat und dabei versucht, so viele Wörter wie möglich zu schreiben.
Dieses Konzept wird vor allem gerne im Schreibnacht-Forum und beim NaNoWriMo verwendet, funktioniert aber anders als unsere Texthäkchen-Schreibtour. (Mehr dazu könnt ihr im Artikel „Schreibnacht“ von Frau Vorragend nachlesen.)

Unsere texthäkchengestützte Schreibtour aber hat mit Bewegung zu tun. Mit Abstand zu den alltäglichen Routineplätzen und mit Entdecker- und Wanderlust. Sie ist Bewegung für Körper, Geist und Finger.

Es handelt sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine „Tour“, bei der Laufen, Fahrradfahren oder auch der Transport via Zug erlaubt sind, um vorwärtszukommen.
Denn darum geht es: Neue Gegenden entdecken und dabei die Kreativitätsquelle schröpfen. Es gilt mit den eigenen Schreibprojekten ebenso vorwärtszukommen wie mit dem Schrittzähler.


 Wie ‚verläuft‘ eine Schreibtour?

Unsere erste Schreibtour fand zu Fuß statt und zwar durch die wunderschöne Erfurt City.
Bei den möglichen Routen haben wir uns Anregung von den feelslikeErfurt- Mädels geholt, die einiges über Glücksorte in Erfurt zu berichten wissen.
Unser Ziel für den Tag war der Luisenpark und das Espach Café.

Selbstverständlich lassen sich Schreibtouren auch viel größer und weiter gestalten. Es gibt keine Grenzen und Inspirationsorte warten an den entlegensten Orten.
Es sollte aber ein Ausflug an einen Ort sein, der nicht zu überfüllt ist.  Am besten in die herrliche Natur, die schon dem guten Werther zu viel Nachdenklichkeit und Briefeschreiben verholfen hat. Denn allzu viel Trubel und Ablenkung kann dazu führen, dass der Kopf schnell überfordert ist mit den verschiedenen Reizen. Dann kommt schreibtechnisch womöglich nichts mehr dabei rum.


Wie lange dauert so eine Schreibtour?


Für eine Schreibtour sollte man sich Zeit nehmen.
Viel Zeit.
Genügend Zeit.

Denn je nachdem, was ihr erreichen wollt, lässt sich der Tag dementsprechend gestalten.
Wenn ihr plant, ein paar Gedichte und einen kleinen Prosatext zu verfassen, genügt vielleicht schon ein sonniger Nachmittag dafür.
Wollt ihr euer Romankapitel beenden und noch ein paar Blogbeiträge ausarbeiten, empfiehlt es sich, schon früh zu starten, denn schließlich gehört ja auch die Bewegung zur Schreibtour dazu und die sollte man auf keinen Fall zu kurz kommen lassen.

Theoretisch kann man eine Schreibtour auch ungefrühstückt beginnen, denn – Achtung!, das wussten eure Eltern sicher nicht! – es ist gar nicht so gesund, gleich nach dem Aufstehen zu frühstücken (siehe Artikel von Martina Lippl).
Besser ist es, sich erst einmal zu bewegen, den Körper zu aktivieren und ihn anschließend mit neuer Energie zu versorgen.

Nach dem Spaziergang im Frühstückscafé eurer Wahl lassen sich gleich ein paar hübsche Morgenseiten verfassen, vielleicht sogar noch mehr, je nachdem welcher Schreibtyp ihr seid.
Könnt ihr morgens besser schreiben als abends oder habt ihr euer Hoch nach dem Mittagessen?
Legt eure Schreibtour so, dass ihr euren Kreativzenit auf jeden Fall mitnehmen könnt.

Wichtig! Eine Schreibtour sollte mindestens 3h dauern, sonst seid ihr schnell gehetzt und erzielt nicht die Erfolge, die ihr mit mehr Ruhe und Gelassenheit definitiv erreichen könntet.



Allein oder zusammen? Wie schreibt es sich besser?

Michel Birbaek schreibt auf seinem Blog darüber, dass Schreiben einsam ist.  (Hier!)
Um etwas daran zu ändern, geht er auf Schreibtour durch viele verschiedene Städte: in Kopenhagen, in einem italienischen Landhaus, in einem Hotel auf Kreta. Nun, er reist zwar allein (!?), lernt allerdings auf seinen Reisen (unvermeidlich) viele Menschen kennen. Das ist schön.
Ändert aber nichts daran, dass Schreiben einsam bleibt, außer man spielt das lustige Spiel, bei dem jeder einen Satz anfangen und der andere ihn zu Ende bringen muss.

Ich persönlich mag einsames Schreiben.

„Was ich weiß, kann jeder wissen. Mein Herz hab‘ ich allein.“, schreibt die Romanfigur, die zugegebenermaßen am Ende Selbstmord begeht, aber so vielen Lesern ein Seelenverwandter im Denken und Schreiben war. So auch mir.
Auch Goethe reiste und schrieb gern allein und war doch ein geselliger Mann.

Was sind die Vorteile der gemeinsamen Schreibtour?
Die Motivation ist vom ersten Moment an hoch.
Man pusht sich gegenseitig und unterstützt sich in den wichtigen Schreibmomenten.
Zwischendurch können erste Ergüsse vorgelesen und über mögliche Titelüberschriften diskutiert werden.
Ein fortwährender Austausch begleitet die Schreibtour und führt dazu, dass – ähnlich wie in Schulzeiten – der Wille reift, viel mehr zu schreiben als der Nachbar.
Was meist dazu führt, dass man tatsächlich mehr schreibt als allein.

Nachteile der gemeinsamen Schreibtour:
So stark der Ansteckungsgrad der Motivation ist, so stark ist auch ihr Feind – die Trägheit.
Wenn dein Tourbegleiter sein Kapitel gerade abgeschlossen hat und nun nichts lieber täte als über den neuesten Fantasyroman von Bernhard Hennen zu quatschen, du aber noch mitten im Schreibflow steckst, kann das zu Diskrepanzen führen.
Hört einer auf zu schreiben, ist schnell die Lust bei allen raus.
Außerdem kann der sogenannte „Austausch“ auch schnell abdriften und sich über unendlich viele Themenwelten erstrecken, sodass man plötzlich über Hochzeiten und Urlaubserlebnisse spricht, anstatt über sein neues Romanziel.

Letztendlich machts die Mischung.
Für uns als Texthäkchen, die wir uns ja gefühlt sowieso viel zu selten sehen und bei unseren Treffen mehr reden und organisieren als schreiben, war diese Schreibtour eine willkommene Abwechslung, bei der man beides kombinieren konnte und tatsächlich mal den ganzen Tag für die Literatur hatte.


Ein Tipp zur Schreibtour

Ziele setzen ist unerlässlich, um vorwärtszukommen.
Sowohl im Gehen als auch im Schreiben.
Ohne konkrete Strecke versinkt man schnell auf der Parkbank um die Ecke und ohne konkrete Planung und Struktur der Schreiberei dümpelt es sich leicht zwischen Wortfetzen herum und die wirklich vorzeigbaren Seiten bleiben aus.

Wenn ihr schon eine Schreibtour plant, dann richtig!
Schaut aufs Wetter und passt die Tour dementsprechend an.
Überlegt euch eure Ausrüstung genau!
Werdet ihr wirklich am Laptop schreiben? Lohnt es sich, die drei Notizbücher mitzuschleppen?
Und schaltet euer Handy lautlos, sonst lauft ihr Gefahr, allzu leicht durch Instagram-; Facebook- oder Whatsappmeldungen abgelenkt zu werden.

Die Texthäkchen wünschen euch viel Vergnügen und gutes Gelingen bei eurer nächsten Schreibtour!

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