Die Häkchen

Um wen handelt es sich eigentlich bei diesen merkwürdigen „Texthäkchen“?
Wer steckt hinter diesem dubiosen Blog?
Welche Individuen wagen es überhaupt zu sagen, wie Schreiben funktionieren oder nicht funktionieren könnte?
Was sind überhaupt Häkchen?

Das sind wir! Und wir wollen euch nicht im Dunklen lassen und uns vorstellen!

– Der Blog fängt hier noch gar nicht an. –

Was wären wir ohne dich, Freund Publikum?
All unser Empfinden Selbstgespräch,
all unsere Freude stumm.
#GoforGoethe

 „Und gib dir Mühe, nicht solchen Blödsinn zu schreiben. Fakten, Fakten und Fakten und die Hauptsache,
möglichst kurz.
―Fjodor Michailowitsch Dostojewski
oder: meine Mitstreiterinnen an mich, bevor ich diesen Begrüßungstext verfasste.

Es begab sich also vor langer, langer Zeit- vor etwa vier Wochen-, da saßen drei Mädchen- eins rotkariert,
eins schwarzgestreift, eins gelbgepunktet-, zusammen bei Tische und dachten bei sich:

„Ach hätt ich doch nur eine Plattform, so prägnant wie Twitter, so umtriebig wie Facebook und so bildgewaltig
wie Instagram, um mich der Menschheit mitzuteilen.“

Die eine wollte Worte finden, die andere wollte Worte suchen und die dritte wollte Worte halten.
Und alle drei wollten sie eine Akkreditierung für die Leipziger Buchmesse.
Das heilige Internet erhörte ihren Wunsch und schenkte ihnen die glorreiche Eingebung, einen Blog zu gründen.

Einen LITERATUR-BLOG!

Einen jener extraterrestrischen, semi-wichtigen Kommunikationsabsurditäten, der all diese vorzüglichen, pseudo-kreativen Eigenschaften in einem modernen Simultan-Medley vereint und die Nuancierungen des Schreibens und
Geschrieben-Werdens auf die Spitze treibt.
So schufen sie denn gemeinsam ein Werk über Werke.
Eine Plattform, die sich an Worte und Textzeilen klammerte wie das letzte flügge Vögelchen ans Mutternest.
Und sie nannten diesen Blog: TEXTHÄKCHEN.

Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht mehr länger man selbst zu sein,
sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst erschaffen hat.
―Gustave Flaubert

So empfanden Eve, Frau Vorragend und Karlotta seit sie die ersten selbstständigen Zeilen auf
ihren Gedächtnispianos, ihren hauseigenen Schreibgeräten, formulieren konnten. Wie schön es war, sich jung und
ungebunden in Bücherabgründe zu versenken und – den Göttern gleich – Welten zu erschaffen,
in denen man weltfern wandern und walten konnte.
Schreiben, ach! Du Wohltat geschundener Seelen!
Heute sind die drei älter, geformter, geprägter, und beanspruchter als damals, aber sie haben einen entscheidenden Vorteil aus der Zeit gewonnen: Sie kennen sich nun.

(Warum ich Schriftsteller bin?:) weil Schreiben noch eher gelingt als Leben, und weil für diesen Versuch, das Leben schreibend zu bestehen, der Feierabend nicht ausreicht.
―Max Frisch

Wie für viele andere, ist auch der Anspruch der Texthäkchen kein geringerer als die schöpferische Glanzleistung
des eigenen Buches und eventuell sogar dessen Veröffentlichung. Da dies aber auch Gestalten wie Donald Trump und Daniela Katzenberger gelungen ist, sehnen die Texthäkchen sich inzwischen nach mehr als der bloßen
Kommerzialisierung von Buchstaben.
Mithilfe dieses Blogs wollen sie ihren lexikalischen Haushalt lokalisieren, ihren Wortschatz erweitern, ihre
Gedankenpaläste ausbauen und nicht zuletzt anderen Autoren dabei behilflich sein, sich die Strategien und Maßnahmen des Schreibens willfährig zu machen.
Die Texthäkchen treffen sich regelmäßig als nicht ganz so anonyme Les- und Schriftsüchtige. Gemeinsam überspringen sie Schreibhürden, reißen Blockaden ein und lassen sich hemmungslos von der Muse küssen.
Was dabei herauskommt, muss nicht immer gleich ein 7teiliger Roman oder Bestseller sein.
Aber es wäre okay.

Und so schrieben die drei Mädchen glücklich und unglücklich bis an ihr Lebensende.

 Füße hoch und Augen auf!

– Hier fängt der Blog nun endlich an –
 

 

Dieser Blog hat einen Haken!

Interview mit Eve Skillane, Frau Vorragend und Karlotta Nyberg Nordström, den Gründern des neuen
Literatur- und Autorenblogs „Texthäkchen“
von Professor Doktor A.B. Surd des Magazins „Anglerzubehör & Co“

Nachdem ich anderthalb Stunden im Hotelzimmer des Erfurter Rizzl & Plasda gewartet habe, geben sich die drei
Damen, die sich selbst die „Texthäkchen“ nennen, endlich die Ehre für das verabredete Interview. Auf die Frage nach der Verspätung, bekomme ich drei unterschiedliche Antworten, gleichzeitig vorgetragen in einer Kakofonie bar jeglicher Anerkennung anderer sprechender Personen im Raum. Nur aufgrund meines vorher positionierten
Diktiergerätes lässt sich dieser Auftakt eines seltsamen, seltsamen Interviews rekonstruieren:

Vorragend: „Nur wer nach mir kommt, ist zu spät!
Nordström: „Ich habs nicht gleich gefunden“
Skillane: „Mein guter Mann, Zeit ist eine Illusion. Gerade von Ihnen, als Befrager von Fisch und Autor, erwarte ich
Verständnis für vorsätzlichen Müßiggang.“

Anstatt, wie gewünscht vor mir auf der Couch Platz zu nehmen, bleibt Nordström verträumt seufzend am Fenster
stehen, Vorragend fläzt auf der Sofalehne und bestellt ihr erstes, frisch gezapftes Pils und Skillane holt drei Dosen Süßstofftabletten aus ihrer Tasche und platziert sie mit zielgerichteter Willkür an mehreren Orten des Zimmers
.

Prof. Surd: „Danke, dass ihr Zeit für dieses Interview gefunden habt. Kommen wir gleich mal zur Sache: Auf
eurem Blog heißt es, ihr hättet diesen nur gegründet, um eine Akkreditierung zur Buchmesse zu erhalten. Ist das wahr?“

Nordström: „Wahr wie Kloßbrühe. Wir wollen zur fancy Buchmesse nach Leipzig. Unsere Ziele sind
höchst erstrebenswert.“
Vorragend: „Jupp. Ich muss allerdings dazu sagen, wenn wir den Texthäkchen-Blog vor den Baum fahren, hab ich immer noch Plan B für meine Akkreditierung, denn ich führe noch einen zweiten, sehr erfolgreichen Blog.“
Nordström: „V überlässt nichts dem Zufall.“
Skillane: [Süßt ihren Kaffee, nippt daran, verengt die Augen, schweigt jedoch] 

Prof. Surd: „Also sind Sie alle drei große Bücherfreunde, nehme ich an?“

Vorragend: „Wohl eher große Bücherfresser“
Nordström: „Wir nennen es monatliche Fixkosten.“
Skillane: „Ich denke, Gedrucktes ist tot.“
Vorragend: „Bei dir ist alles irgendwie tot…“

Prof. Surf schaut verunsichert.

Skillane: [starrt]

Prof. Surd: „Ah, Und was machen Sie, wenn Sie mal keine Lust zum Lesen haben?“

[lange Pause]
Nordström: „Ich verstehe die Frage nicht.“
Vorragend: [lacht]
Skillane: [liest]

Prof. Surd: „Ähm. Nun gut, lassen wir das. Zu Ihrem Blog als Literaten…“

Vorragend: „Hört hört! Wir sind endlich Literaten!“

Prof. Surd: „Ihr Blog heißt Texthäkchen?“

Vorragend: „Ja. Klingt furchtbar niedlich, nicht wahr? Eigentlich sind wir gar nicht so niedlich!“
Nordström: „Also ich bin schon sehr niedlich. Ich bin hier quasi das Hasenbaby im Schlachthaus.“
Vorragend: „Lass nicht immer den Vegetarier raushängen, Lotta.“
Skillane: „Ich würde behaupten, ein Hasenbaby im Schlachthaus büßt seine Niedlichkeit sehr schnell ein.“

Prof. Surd: „Öhm…ja. Ja, genau. Also- Texthäkchen, wie kamen Sie auf diesen Namen? Gibt es da einen Haken?“

Skillane: „Ja, einen guten linken.“

Prof. Surd: „Wie meinen Sie?“

Nordström: „Einen hinter der Matheklausur im Paralleluniversum.“
Vorragend: „Einen an der Hand meines Piratenpapas.“
Skillane: „Einen am Ende einer Angel.“ [Hält die Hand hoch, niemand schlägt ein]

Nordström: „Sie sehen so durcheinander aus, Herr Doktor. Möchten Sie vielleicht ein Glas selbstgemachte Kirschbrause?

Prof. Surd: „Ich…“

Vorragend: „Oder doch lieber ein großes Bier, Doc?“

Prof. Surd: „Ich denke…“

Skillane: „Hier, Prof. Suff, der Tetrapack Rotwein ist schon offen, nehmen Sie den. Brauchen Sie Süßstoff?“

Prof. Suff: „Oh, äh, vielen Dank. Danke, ja.“

[trinkt]

Prof. Surd: „Wollen Sie mir nun vielleicht….hicks… erzählen, wie Sie zum Schreiben…hicks… gekommen sind? Es ist sicher ein schöner Zeitvertreib, nicht wahr?“

Vorragend: „Pah! Zeitvertreib! Die reinste Quälerei ist das! Ich schreibe schon seit ich 14 bin. Angefangen hat es mit
RolePlay und Kurzgeschichten und nun tue ich mir das wirklich mit ROMANEN an! Lange Texte! Aber hey, wer will schon ein entspanntes Hobby? Da könnte ich auch angeln gehen.“
Nordström: „Ich würde behaupten, es ist meine Bestimmung zu schreiben, mein Schicksal. Ich bin quasi auserwählt
dafür, verstehen Sie? Frodo hatte sein Ring-Ding, Harry hatte Narben, Daenerys hatte Drachen und -weiß Gott- Anakin Skywalker hatte mehr Macht als ihm gut tat und in mir schlummert nun einmal die Macht, all die weltumwälzenden
Geschichten zu schreiben, die die Menschheit so dringend braucht um weiter aufrecht gehen zu können.“

Prof. Surd: „Ein bisschen hochgegriffen, finden Sie nicht?“

Skillane: „Mitnichten. Wir suchen nicht die Zeit zu vertreiben, wir versuchen, sie zu ermorden, zu konservieren und mit kleinen Pinnadeln an tote Bäumen zu heften. [Räuspert sich] Menschen schreiben – wo sonst kommen Bücher her? Fragen Sie nach den Bienchen und Blümchen der Literatur? Es ist unsere Natur, so einfach ist das.“

Prof. Surd: „Na schön. Sie haben alle Literatur in Erfurt studiert? Haben Sie sich während einer Vorlesung an der Uni kennengelernt?“

Nordström: „An der Uni haben wir uns ironischerweise nie getroffen. Nicht mal beim Kaffeetrinken
oder auf dem Lokus.“
Skillane: „Zu offensichtlich, kein Twist darin, keine plausible Charakterentwicklung. Nein, wir trafen uns bei einem Glas Alkohol und in Begleitung einer Reihe seltsamer Hüte.“
Vorragend: „Als Hauptfigur aus einem peitschenlastigen Abenteuer, als zauberhafte Schülerin mit verrückten Ohrringen und als Freundin von Spinnen, Grünlingen und Hammerträgern haben wir uns über das völlig naheliegende Thema „Schreiben“ unterhalten und festgestellt: Wir sind ja alle gleich bescheuert, dass wir uns dieser Mühseligkeit ausliefern!“
Nordström: „Bei dieser Kostümparty waren wir mit meinem Bruder zusammen mal wieder die einzigen in Verkleidung, aber sowas erregt die Aufmerksamkeit füreinander.“

Prof. Surd: „Und nun schreiben Sie also gemeinsam. Aber Schreiben…nun ja, Schreiben ist ja nun eine eher
brotlose Kunst…wovon leben Sie denn?

Skillane: „Ich verkaufe Bücher, die ich nicht geschrieben habe.“
Vorragend: „Ich sperre Leute in Räume und nehme Ihnen Geld ab, damit sie alleine wieder rausfinden.“
Nordström: „Ich… ähm …bin verheiratet.“

Prof. Surd: „Auf Ihrer Seite schreiben Sie, dass Sie keinen Kommerz mit dem Erstellen von Literatur betreiben wollen. Ich finde das ist wirklich sehr…

Vorragend: „Sehr großer Quatsch, Sie sagen es Doc. Wir reden zwar immer davon, dass wir unsere Bücher nicht dem Kommerz widmen wollen, aber mal unter uns: Sollte eines der großen Verlagshäuser eines Tages vor meiner Tür stehen, bin ich schneller weg als Trump bei der Klimakonferenz!“
Nordström: „Was V damit sagen möchte, ist, dass wir unser Leben gerne dem Schreiben widmen, aber nichts dagegen haben, reich und berühmt zu werden. Oder nur reich.“
Skillane: „Säßen wir hier, wenn wir Kommerz verabscheuten, mein Bester?“

Prof. Surd: „Wie laufen denn eure Treffen ab?“

Nordström: „Nach dem Motto ‚Nichts ist unmöglich‘.“
Vorragend: „Also, wir treffen uns und haben vorher einen super produktiven Abend vorbereitet …“
Nordström: „… quasi ‚einmal hin, alles drin‘ …
Vorragend: „Dann versacken wir jedoch meistens in Gespräche über Doctor Who und tote Autoren …“
Nordström: „… weil wir es uns wert sind …“
Vorragend: „… und dann fühlen wir uns beim Abschied immer so, als hätten wir viel geschafft. Sehr gutes Gefühl.“
Nordström: „Ich liebe es.“
Vorragend: „Lotta übt schon mal Product Placement.“
Skillane: „Ich würde unsere Treffen als sporadisch und kaffeelastig bezeichnen. Jemand legt ein Notizbuch auf den Tisch, jemand anderes nimmt es mit. Prozentual belustigend, häufig wenig produktiv.“

Prof. Surd: „An was arbeitet ihr denn zurzeit?“

Nordström: „An einer Kinderbuch-Trilogie in 12 Bänden, an einer handgeschriebenen Abschrift meiner Tagebücher in Reimform, an mehr Zeit für das alles und an einer Bikini-Figur. Oh, und natürlich an dem Schreiberling-Blog und den nervigen Interviews, die man ständig dafür führen muss.“

Prof. Surd: „Äh…“

Vorragend: „Bei mir sieht’s wie folgt aus: da ich ein super entscheidungsfreudiger Mensch bin, der konsequent erstmal ein Ziel verfolgt und sich durch nichts anderes ablenken lässt, schreibe ich derzeit an einer Urban-Fantasy-Reihe, einem Kinderbuch und einem Roman.“

Prof. Surd: „Und Sie, Miss Skillane?“

Skillane: „Pathologisch kryptisch schreibe ich, um viel zu sagen und lasse dabei zu vieles aus, schreibe wieder um, stutze und baue aus. Geister vermengen sich hier mit der Psyche eines verdrängenden Mädchens, das sich in einen grünen Schal hüllt. Mehr gibt es nicht zu sagen.“
Vorragend: [wackelt mit den Fingern] „Huuuuu, mysteriös!“
Skillane: „Nebenbei arbeite ich selbstverständlich ununterbrochen an Wegen, nicht arbeiten zu müssen.“

Prof. Surd: „Nun gut. Wann entstand denn diese Idee zu einem Blog über das Schreiben?“

Skillane: „Wohl zurückzuführen auf einen Urknall in der Atmosphäre unserer dreier Geister, wer kann sagen, was davor geschah?“
Vorragend: „…schon wieder Tote…“
Nordström: „Also ich weiß auch nicht mehr genau, was vor diesem historisch dezent bedeutsamen Urknall geschah, aber irgendwann danach kam ich zu einem unserer Treffen und sagte ‚Eventuell sollten wir mal darüber nachdenken vielleicht einen Facebook-Beitrag über uns zu posten‘. V meinte, sie habe nur darauf gewartet, aber dass wir uns doch lieber gleich unsere Texte auf die Haut tätowieren lassen und damit nackt vom Fernsehturm springen sollten. Wir haben uns dann
irgendwo dazwischen geeinigt.“
Vorragend: „Wohl deswegen, weil ich Höhenangst habe, und die Idee mit dem Fernsehturm dann plötzlich nicht mehr cool war.“
Skillane: „Und diese Aura des brotlosen Künstlertums muss natürlich auch aufrecht erhalten werden; Tattoos sind teuer.“

Prof. Surd: „In der Tat. Darf ich ganz vermessen fragen, was zeichnet euch denn im Vergleich zu anderen
Literatur-Blogs aus?

Skillane: „An dieser Stelle wohl die Leere, die natürlich für ein weltveränderndes Potential steht.“
Vorragend: „Ich weiß es nicht. Ich lese keine anderen Blogs außer meinen eigenen!“
Nordström: „Es gibt noch andere???“
Skillane: „Beruhigt euch, die halten sich nicht lange. Nicht im Angesicht unserer Brillanz.“

Prof. Surd: „Eine letzte Frage – was möchtet ihr euren Lesern und zukünftigen Fans an dieser Stelle gerne noch mit auf den Weg geben?“

Skillane: „Das Ablecken von Türknöpfen ist auf anderen Planeten illegal.“
Nordström: „Die Geschichte wird uns freisprechen.“
Vorragend: [zieht einen Schal hervor, reckt ihn in die Höhe und grölt] „You never write alone!“

Prof. Surd: „Vielen Dank für das Interview, meine Damen. Den Lesern und Leserinnen von ‚Anglerzubehör & Co‘ wird es die Sprache verschlagen.

Und nächstes Mal in unserem Magazin: „Da ist der Wurm drin!- Ein Gespräch mit den Gourmetfreunden des guten
Büchergeschmacks- Willi Windling und Konrad Apfellöchler!“