Eve-End Tracker

Hallo verirrter Lesender,

ich weiß nicht, was du erwartest.
Hier findest du keine News und keine Antworten.
Nur verschüttete Gedanken einer verschütteten Eve Skillane.
Verschüttet, aber optimistisch. Ein Fokus auf Freudiges.

27.04.2020

Es ist zuende. Geht heim.

22.04.2020

2021 wird DAS Jahr!

21.04.2020

Verschoben ist besser als abgesagt.

20.04.2020

19.04.2020

18.04.2020

Ich habe das Gefühl, mehr Menschen auf der Straße lächeln mich im vorbeigehen an. Schwer zu sagen, ob sie es tun, weil ich es tue oder andersherum. Wie dem auch sei; wir machen einander die Tage besser. 

17.04.2020

Ich schreibe diese sporadischen kleinen Tagesanekdoten und Gedanken jetzt schon einen ganzen Monat. Ich weiß nicht einmal, warum. Ich weiß auch nicht, wie lange ich es noch tun werde. Ich weiß so viele Dinge nicht.

16.04.2020

Heute hat mich ein älterer Herr angelächelt. Selbst Corona kriegt die Sonne nicht aus den Köpfen der Leute.

15.03.2020

Unser Schlafzimmerfenster liegt direkt an einer kleinen Straße. Für gewöhnlich hört man morgens Autotüren, schreiende Kinder, plappernde Leute und Motorengeräusche. Jetzt hört man nur Vögel.

14.03.2020

Wer Essig im Bad verschütte der möge ihn gleich zum Putzen benutzen.

10. – 13.04.2020

Ungesundes Essen und Alkohol und Sonne.

Balkonkübel bepflanzt.

Life is good.

09.04.2020

Ich habe heute eine Tulpe geschenkt bekommen.

Und die Katze hat versucht, sie zu fressen.

Story of my life.

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07.04.2020

Wir reden oft über Vorfreude.
„Vorfreude ist die schönste Freude“, sagen wir zu einem Menschen, der von Glück redet, obwohl es noch keinen Grund dazu gibt. Es ist eine Phrase, hinter der wir uns in leichtem Unbehagen verbergen. Denn wir begeben uns in abstraktes Gebiet. Wir können mitunter schwerlich Anteil nehmen an dem internen Empfinden eines anderen, wenn der externe Auslöser noch nicht stattgefunden hat.
Wir sind chronologische Wesen.
Aktion, Reaktion.
Chaos Theorie, ja, aber bitte in der richtigen Reihenfolge!

Vielleicht sind wir auch besorgt weil wir denken, „Vorfreude“ deutet auf etwas „vor der Freude“ hin. Doch was? Einen Zustand, der zwar anstrebenswert, aber undefiniert und gesichtslos ist und sich nicht einfügt in die Welt, die wir sehen.
„Vorfreude“, so denken wir manchmal, ist ein erdachtes Konstrukt in das man sich zwängt, um noch mehr Wert aus eder Zukunft zu pressen. Und dabei schafft es wahnwitzige Vorstellungen. Es bereitet uns auf Enttäuschung vor, so denken wir.

Doch das ist Vorfreude nicht. Sie ist nicht der Zustand, in dem man sich befindet, wenn man auf einen Moment „echter“ Freude hinstrebt. Sie ist keine Wartemusik und kein Zeitvertreib.
Sondern Freude. Schlicht und ergreifend Freude.

Vielleicht ist sie deswegen „die schönste“. Sie ist bedingungslos. Wenn das Ereignis eingetreten ist und den Erwartungen nicht entspricht, wird sie nicht rückwirkend korrigiert und aufgehoben. Sie wird nicht entwertet oder entkräftet, denn sie ist bereits geschehen.
Sie ist, trotz ihres Präfixes, echte Freude. eine Freude des Momentes.
Jetztfreude.

06.04.2020

Manchmal habe ich trotz tagfüllender Tätigkeiten einen Anflug von Langsamkeit. Und ein Gedanke blubbt aus dem Morast meines Gehirns hervor, einmal, zweimal, vielleicht öfter: Was möchte ich heute?

Was. Möchte. Ich. Heute.

Jedes Wort für sich entscheidend für die Antwort.

Was? – Welche Tätigkeit, welches Gefühl, welche Erinnerung möchte ich schaffen?
Möchte? – Nicht wollen. Nicht müssen. Nicht „aus Gemütlichkeit darauf zurückfallen“
Ich? – Selbstreflexion. Die Außenwelt ausschalten. Grundbedürfnisse.
Heute? – Morgen ist ein neues Heute. Darum kümmert sich Zukunfts-Eve.

05.04.2020

Meine vorherige Chefin fragte mich einst: „Du trägst nie Hosen, oder?“
Und meine jetzige Chefin fragte mich kürzlich: „Du trägst nie Röcke, oder?“

04.04.2020

Am Eingang meines  Supermarkt steht ein Mann und desinfiziert die Griffe von Einkaufswägen.
Dieser Mann hat wohl das beste Wochenende seines Lebens.
Warum?
Weil eine vergessliche Eve dreimal zu besagtem Supermarkt gelaufen ist, da sich die Liste der essentiellen Lebensmittel mit jeder Heimkehr spontan um neue Positionen erweitert hat. Und da sie befürchtete, ihr freundlicher Abschiedswunsch eines „schönen Wochenendes“, mit dem sie ihren vorherigen Besuch beendet hatte, würde durch ein eventuelles Schweigen bei ihrem aktuellen Besuch aufgehoben, hat sie es wiederholt.
Dreimal.

03.04.2020

Daniel Sloss sitzt auf dem Boden und säuft und quatscht seine cunts und fucks auf Instagram.
Karlotta Nordström liest aus alten Tagebüchern. Frau Vorragend liest aus Sherlock Holmes. Twitch ist ihre Plattform.
Mein Vater spielt Songs aus sechs Jahrzehnten auf Facebook.
Und auf YouTube spielt July Talk – der dreckige, dreckige Tom Waits Gesang von Peter Dreimanis und die sanfte, hohe Stimme von Leah Fay erfüllen mein Wohnzimmer.

Und ich faules Stück muss mich nicht von meiner Couch bewegen um all diesen Content zu genießen.
Gesegnete Zivilisation!

DE 2:07 / 5:02 July Talk | Summer Dress | CBC Music Festival

02.04.2020

01.04.2020

Mitunter habe ich heute vergessen, welcher Tag es ist.

Und womöglich wurde ich am Telefon durch den Kakao gezogen.

Und vielleicht habe ich an der Bahnhaltestelle eine kleine Wutpirouette gedreht, ehe ich es verstanden habe.

31.03.2020

Man merkt, dass man erwachsen geworden ist, wenn man heimkommt und sich darüber freut, dass der Partner einen neuen Messbecher gekauft hat. Mit richtiger Schrift drauf! In Schwarz!

30.03.2020

Hast du schon einmal einen schweren Schreibtisch mit Metallfüßen die Länge eines Flures über Teppich gezogen und wolltest dabei möglichst leise sein?

Danach weiß man, was man getan hat.

29.03.2020

Ausgeschlafen.

Geschrieben.

Gebruncht.

Sport.

Schokolade.

Marzipankuchen.

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28.03.2020

Apropos mein Vater.

Als ich das letzte Mal daheim war hat er sich intensiv mit der Problematik beschäftigt, wie er seinen Rasen mähen kann, ohne den Insekten die Wildblumen zu nehmen.

Also hat er einen Graskreis in der Mitte stehen lassen.

Und jetzt hängt er Häuschen für Vögel und Bienen auf.

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27.03.2020

Heute gebe ich euch einen Geheimtipp.

Schlechte Laune? Corona-Koller? Für schnelle Hilfe empfielt Eve-tiopharm:

Videos, in denen Ricky Gervais lacht.

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26.03.2020

Morgens ein kurzer Check in der Familien-WhatsApp Gruppe.
Allen geht es gut.
Einsam, nicht immer bei bester Laune, aber gut.

Mein Vater hat ein Bild seiner Kaffeetasse geschickt. Eine Nordrheinwestfähliche Kaffeetasse auf meinem thüringischen Bildschirm – ein Gefühl von Nähe aus der Ferne.

25.03.2020

Zueinst, in einer anderen Zeit, gab es eine Eve die über Grundbedürfnisse sprach. Zum Leid jedes Menschen, der es anhören musste. Tag und Nacht und in verschiedenen Sprachen.

Long story short: Dieser Tag war eine Besinnung auf diese plappernde Predigereve aus Vortagen.
Es gab gutes Essen.
Es gab ausreichend hydration. Es gab Sport.
Es gab Skype-Konferenzen mit Freunden.
Es gab kreative Arbeit.
Sonne. Luft. Wasser. Eine warme Dusche.

Um Frau Vorragend zu zitieren, die Eve Skillane einst zitiert hat: GRUNDBEDÜRFNISSE!

24.03.2020, 21 Uhr

Als ich heute zu einer Pfütze Coronastresssüppchen zusammenfloss auf dem Laminat unserer Wohnung, hat mein Freund mich aufgelesen und auf den Crosstrainer gestellt. Kurzum: Ich habe heute so etwas wie Sport gemacht. Und obwohl ich in Zukunft wahrscheinlich selber auf das Gerät steigen muss und nicht in flüssiger Form einfach drübergegossen werde, werde ich das nun öfter tun. Das kurze Hoch danach ist ganz nett.

PS: Ich habe drei Spülbürsten hinter dem Kühlschrank gefunden. Score!

23.03.2020. 20:40 Uhr

Eine seltene Atmosphäre entsteht, wenn Sonnenstrahlen leeren Asphalt erwärmen.
Wir dachten, sie schiene, um uns die Häupter zu wärmen. Doch sie scheint auch, wenn wir den Kopf im Schatten halten.
Es lässt einen leicht demütig werden.
Wir alle erwachen gleichzeitig in einem Meer aus anderen Menschen und lernen bald, dass wir mit den Füßen ausschlagen müssen, um oben zu bleiben. Und so sind wir bald erschöpft.
Da ist kein Raum für die Frage danach, was passiert, wenn wir stillhalten. 
Etwas ist dort, unter uns in der Tiefe, so fühlen wir, und wir haben Angst, dass es uns verschlingt. 
Doch nun müssen wir stillhalten. Und wir merken, dass wir vielleicht auch treiben, wenn wir nicht dafür arbeiten. Dass es vielleicht nichts in der Dunkelheit unter unseren Füßen gibt, das uns schaden will.
Denn, so begreifen wir, da ist nichts, das wollen kann.
Wir sind diejenigen, die wollen können.

22.03.2020

Pizza bestellt.

Pizza gegessen.

Eve out.

21.03.2020, 22:30 Uhr

Einen Roman zu plotten ist ein wenig wie der Ladebildschirm eines Spiels, auf das man so richtig, richtig Bock hat. Wenn man endlich spielt und dann unterbrochen wird und das Programm beenden muss – dann muss man es erneut laden, um weiterzuspielen.
Deswegen ist Plotten keine Sache, die ich leichtfertig neben dem Alltag mache. Mein Gehirn zeigt mindestens zwanzig Minuten lang einen Ladebildschirm an, ehe das Spiel beginnt. Die Welt wird gerendert, Erinnerungen an die vorherige Position von Dingen und Charakteren geladen und sortiert, Informationen über das Wetter und die Uhrzeit und die physische und psychische Verfassung der Protagonistin aufgerufen und vernetzt  – all das muss nach jeder Unterbrechung neu geladen werden.

Nach. Jeder. Unterbrechung.

Heute habe ich geplottet.
Es war ungeschickt und langsam. Eckig.
Wie ein höhenängstlicher Würfel auf einem Hochseil ohne Spannung.
Kaum Flow. Keine Geniestreiche. Unelegante Lösungen, nur damit Lösungen dastehen. Bei weitem keine Glanzleistung und definitiv nicht die Befriedigung, die ich mir erhofft habe.


Und wo, liebe Eve, du sprachst von Optimismus, wo bleibt er, Eve, wo können wir ihn finden? Hm? HM?

Nun.
Wie ich bereits sagte.
Heute habe ich geplottet.
Das muss reichen.

20.03.2020, 18:00 Uhr

Holz macht alles besser.

mde

19.03.2020, 21:00 Uhr

Heute habe ich Joghurt geschenkt bekommen.
Also habe ich ein spätes Frühstück gemacht.
Abends.
Purer Wahnsinn.
Eine strukturlose Zeit verlangt strukturlose Maßnahmen.
Unsere Automatismen und alltäglichen Traditionen kommen uns abhanden.
Und so gewinnen wir den Zwang des Bewussten.

Was will ich jetzt?
Gestern ist keine Vorlage mehr.
Es bleiben nur ich und mein Reptiliengehirn und wir wollen überleben.
Und das werden wir tun.
Mit Joghurt.
Am Abend.

18.03.2020, 19:00 Uhr

Ich möchte gar nicht viele Worte darüber verlieren, wie es heute war. Dass die Situation ihre Last über uns alle legt, entgeht niemandem. Deswegen habe ich beschlossen, dass dieses Tagebuch im Lichte des Optimismus stehen soll. Lieber gebe ich mir selber einen Grund, das Augenmerk auf die schönen Dinge zu lenken als dass ich mich in Frust verliere.
Also, Leute, schnallt euch an und begleitet mich in einen unerlaubten Ausflug in die Schönheit einer Welt im Shutdown!

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Habt ihr gemerkt, ihr Abgeschotteten, dass heute einer der ersten, richtig schönen Frühlingstage war?
Unser Kätzchen – Lady Catelyn – konnte das erste Mal auf den Balkon. Verdorrte Blumen beschnuppern, die ich „den ganzen Winter noch umtopfen und reinstellen“ wollte.  Doch, nun. Es nicht getan habe.
Die Ringelblume hat überlebt. Eine zähe Zeitgenossin. Andere Pflänzchen sprießen zwischen den Kadavern des letzten Jahres hervor. Ich weiß nicht, wo sie herkommen oder wo sie hinwollen. Doch ich freue mich darauf, es rauszufinden. Ein Päckchen mit Samen wartet noch in meinem Schrank. „Bienenfreundliche Blumen“
Sobald ich irgendwo etwas Blumenerde auftreibe, werde ich sie einpflanzen.

Und dann wächst wieder etwas in unserem schrumpfenden Alltag.

Trotz Corona darf noch genossen werden.
Für viele von uns fühlt sich das falsch an.
Doch es ist wichtig, dass wir unsere Psyche pflegen in diesen Zeiten der zwischenmenschlichen Distanz.
So wie wir Ringelblumen pflegen.

Achtet auf euch!

17.03.2020, 21:30 Uhr

Einer meiner Lieblingsmusiker spielt spontan bei Instagram ein paar Stücke live. Ist das nicht unglaublich? Da sitzt dieser bärtige, wunderbare Mensch mit seiner bärtigen, wunderbaren Stimme am anderen Ende der Welt in Kanada und spielt auf seinem Klavier und wir alle können dabei sein. Egal, wo wir sind.

Ben Caplan – 40 Days & 40 Nights (Official Studio Version)
nor

17.03.2020, ca. 19:30 Uhr

Und da sind wir nun. Plötzlich. Am Ende der Welt.

Ich mache natürlich Spaß. Wer mich kennt, der weiß, dass ich trotz aller düsteren Vorlieben und meinem deprimierenden Musikgeschmack sehr zum Optimismus neige. Dies ist nicht das Ende der Welt. Doch es fühlt sich an wie das Ende von etwas.
Für mich gibt es noch keinen Shutdown. Dies ist kein Ort um darüber viele Worte zu verlieren. Die füllen bereits meinen Privatraum. Dies soll ein Ort der Reflexion sein.

Wie es mir geht?

Zunehmend etwas besorgt. Gleichzeitig beglückt, dass es in unserer Welt Experten gibt. Wissenschaftler, Medizinisches Personal, Menschen, die unsere Kinder hüten und die jetzt gerade alles dafür tun, dass wir diese Krise überstehen. Und der liebe Bodo Ramelow. Es war knapp, doch wir haben ihn wieder. Und das ist ein Segen.

Das Ende von etwas.

Selbst wenn diese Sache vorüber ist, können wir nicht wieder zurück dahin, wo wir herkommen. Wir werden nie wieder eine Generation sein, die nicht gelernt hat, wie fragil ihre Welt ist. Hoffentlich nehmen wir die richtigen Lektionen und Prioritäten daraus mit.

Für heute bleibt es sporadisch. Ich verabschiede mich in einen Abend. Bitte bleibt gesund.

Eve