Scrivener – ein frauvorragender Erfahrungsbericht

Ich bin gelernte Rechtsanwaltsfachangstellte. Warum ich so beginne? Erstens, weil der Job cool ist (wäre er besser bezahlt sogar noch cooler) und zweitens, weil er mir etwas zum Schreiben erklärt hat. Nicht nur das Jura-Deutsch, sondern auch Fertigkeiten, die mir heute in Fleisch und Blut übergegangen sind. Zum Beispiel richtig mit 10 Fingern schreiben ohne auf die Tastatur zu schauen. Diese Art ist auch sehr gelenkschonend. Ich kann nach Diktat schreiben und kann sogar relativ schnell auf einer Schreibmaschine tippen – für alle die es romantischer mögen aber nicht unbedingt gelenkschonender. Und … ich beherrsche Word In so vielen Facetten und mit so vielen Funktionen. Eine Umstellung auf andere Programme ist für mich kaum zu schaffen – vielleicht auch, weil das Programm mich so lange begleitet hat.

Jetzt bin ich aber auch Autorin. Warum ich jetzt damit an der Stelle weitermache? Weil ich nach Jahren der Liebe zu diesem Schreibprogramm, das sich so einfach auf „Word“ herunterbrechen lässt, die Grenzen erkannte. Es war nicht mehr möglich, einfach nur Projekte herunterzuschreiben, denn die geschaffenen Welten waren zu komplex, die Zusammenhänge zu verworren und die Charaktere zu vielschichtig. Und die Lösung, zwei Dokumente nebeneinander zu verwenden, ist mit wahnsinnig viel Klickerei und oftmals dem Schreiben ganzer Seite im falschen Dokument verbunden.

So sieht Scrivener aus bei einem geöffneten Dokument.

Es brauchte also eine Lösung und die fand ich durch den NaNoWriMo.

Scrivener. Auch ein so einfaches Wort. Und einfach mit Schreiber:in zu übersetzen.

Zunächst: das Programm ist nicht kostenfrei aber erschwinglich. Vor allem im November. Allein das Mitmachen beim NaNoWriMo gibt schon Rabatte. Als Gewinner:in spart man sogar gleich die Hälfte. Ganze 25 Euro habe ich dereinst bezahlt. Und jeder Pfennig hat sich gelohnt.

Das größte Plus für mich ist die Möglichkeit, zwei Dokumente nebeneinander offen zu haben, ohne viel Klickerei und lästiges Hin und Her Springen. In dem einen schreibe ich, in dem anderen schaue ich Notizen nach, kann in alten Kapiteln blättern und unkompliziert Notizen machen. Alles in einem Fenster. Müßig war es lediglich, die bereits existierenden Dokumente in Kapitel zu unterteilen. Zumindest bis ich den Short-Cut gefunden habe.

So manchen mag das Programm mit seiner schönen Übersicht und den selbst erstellten Steckbriefen ablenken, doch weil es sich um ein Schreibprogramm handelt, von Menschen es wohl zu gut kennen mit der Prokrastination, kann man in den ablenkungsarmen Schreibmaschinenmodus wechseln. Den gebrauche ich immer dann, wenn ein Wordwar ansteht oder ich selbst mal 20 Minuten flink in die Tasten haue. Auch für das Free Writing oder die Morgenseiten ist der Modus perfekt.

Projektziel von Scrivener
Eigene Ziele können definiert werden. Vor allem praktisch im NaNoWriMo
Ordner- und Kapitelübersicht
Eine Möglichkeit der Gliederung eines Romans.

Du schreibst gar nicht hauptsächlich Romane? Auch das ist kein Problem. Ich organisiere meine Kurzgeschichten ebenfalls in diesem Programm. Und ich habe bereits Hausarbeiten und Essays für die Uni damit verfasst. Leider habe ich keine persönlichen Erfahrungswerte für umfangreichere wissenschaftliche Arbeiten, aber da meine Romane im Umfang einer Doktorarbeit in nichts nachstehen, kann ich mir hier keine Probleme vorstellen. Und ich bin Autorin. Ich kann mir viele Sachen vorstellen.

Ich mag Zahlen und Statistiken. Ich mag zwar nicht rechnen, aber ich mag Zahlen. Deswegen mag ich auch Wordcounts. Scrivener zeigt mir Zahlen an. In einer Projektstatistik. Zeigt mir an wie viele Wörter ich in meiner aktuellen Sitzung geschrieben habe. Und ich kann mir sogar eigene Ziele vorgeben. Für die, die das brauchen, um motiviert im Dokument durchzustarten.

Ein weiterer Bonus, den ich vor allem für die Kurzgeschichten nutze, ist die Funktion, mir mein Projekt gut leserlich und sortiert, mit Seitenzahlen und Einzügen, als Dokument ausgibt. Und das mit einigen wenigen Klicks in unterschiedlichen Formaten.

Sagte ich übrigens schon, dass Scrivener automatisch speichert? Nie wieder verlorene Absätze oder seitenweise Ideen, die verloren gegangen sind! Da versteht mich jemand!

Schreibmaschinenmodus
So sieht der Schreibmaschinen-Modus aus.

Wie ihr seht, ich bin nicht nur Rechtsanwaltfachangestellte und Autorin, sondern auch Fan von Scrivener. Und ich lege allen dieses Programm ans Herz, die sich mehr Übersicht, Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit wünschen. Für einen schmalen Taler. Euch allen ein fröhliches In-Die-Tasten-Hauen!

Welches Programm verwendet ihr zum Schreiben? Habt ihr auch Erfahrungen mit Scrivener sammeln können? Erzählt es mir, wir gründen einen Fanclub.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.